Deutsche Fantasy – die Unzufriedenheit nimmt zu


Ich bin nicht der einzige, der hier mault!

Gottseidank, ich hatte schon befürchtet als ewiger Nörgler zu erscheinen, schlimmer noch . . . als jemand, der über das Kritisieren bestehender Verlagsprogramme versucht, sein eigenes – aus Verlegersicht gesehen – durchaus sperriges Werk (das sich der allgemeinen Schubladisierung etwas entzieht) bei ebenjenen Verlegern unterzubringen, indem er so lange jammert, bis einer weich wird.

Bullshit!

© Wikipedia

Der Autor O’Connell hält sich bedeckt und mault nicht. Schließlich ist er ja selber schuld. Hätte ja ein anderes Buch schreiben können.

Aber ich bin eben nicht nur Autor . . . sondern auch Leser.

Und als Leser maule ich!

Ja, Leute, wirklich!

Und zwar über die Unverfrorenheit, Romane wie am Reißbrett entwickeln zu lassen, immer nach dem gleichen Muster. Engel, Zombies oder Vampire – ICH WILL DAS NICHT (MEHR) LESEN!

Es erscheint fast nur noch Mist in deutschen Buchhandlungen (ja, ich weiß, so undifferenziert sollte man das nicht sagen – sag ich aber!) und dafür soll ich auch noch zahlen?

Und nicht nur das . . .

Das Genre wird durch diese aufs schnelle Geld gesetzte Verlagspolitik irreparabel beschädigt.

Vampire, Werwölfe, paranormale Wesen, Geister . . . sie hatten mal ein positives Image.

Jetzt sind sie nur noch Abziehbildchen in dämlichen Romantasy-Romanen (Formel: Romantikthriller + Fantasy = neue Zielgruppe mit hoher Auflage). Wer kann denn jetzt noch diese Wesen ernstnehmen? Sie sind degradiert worden zu hirnlos haarigen Hormonprotzen; schablonenhaft entworfene, superpotente Männerkopien, die bei weiblichen Leserinnen Schauer am Rücken (oder sonst wo) verursachen sollen.

Liegt es an den Autoren? Sind sie an dieser Hirnerweichungsliteratur schuld?

Nein, die haben ALLE wirklich gute Ideen in der Schublade (na ja, fast alle) – sie können nur nicht mehr an den Mann bringen, weil in den Lektoraten (oder vielleicht besser gesagt bei den Verlagskonferenzen, bei denen die Jungs von der Marketingabteilung auch dabei sitzen und ihren Senf abgeben dürfen) mehr auf die Verlagsvorschau der Konkurrenz geblickt wird, als in manch vielversprechendes Manuskript.

Dann sind die Verlage schuld? Verkaufen sie nicht das, was die Leser wollen (denn wenn sie es nicht täten, wären sie nicht alle insolvent)?

Nun, ich denke, die Leser kaufen, was angeboten wird.

Sie haben ja auch ehrlich keine andere Wahl, wenn sie nicht englische Bücher erwerben möchten (unter denen es wirklich tolle, unübersetzte Werke gibt) oder sich die Mühe machen, bei den Klein- und Kleinstverlagen zu suchen. Da gibt es tatsächlich noch wertvolle Perlen deutscher Phantastik – gleich neben dem gleichen Vampirschrott, den sie ebenfalls anbieten. Wer nur seine heimische Buchkette, die Buchhandlung an der Ecke (die sich längst aus monetären Gründen heraus an das Profil von Thalia und Weltbild angepasst hat) oder die Auslagen der Supermarktketten kennt (und das dürfte wohl die Mehrzahl der Leser sein), der wird jedoch zu dem Schluss kommen, dass es keine anderen Romane gibt.

Ich bin nicht der einzige, der hier mault!

Es maulen noch andere, zum Beispiel: Autorin (und – wer hätte es gedacht – auch Leserin) Petra Hartmann in Fandom Observer 259 („Ich habe die Nase voll“) und jetzt hat – das ist eigentlich der Grund des Postings hier – SF-Fan.de nachgelegt und aus dem Thema gleich eine Serie gemacht: „Wie steht es um die Fantasy?

PS: hier noch zwei weitere Links zum Thema bei SF-Fan.de: hier und hier.

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8 thoughts on “Deutsche Fantasy – die Unzufriedenheit nimmt zu”

  1. Die Kritik an der deutschen Fantasy ist nicht unberechtigt, aber sie verkennt, dass es ein markttypischen Muster ist, was sich hier zeigt – und was zu guten Ergebnissen führen kann. Mit Musik verhält es sich ähnlich: sie folgt Trends und Modeerscheinungen, die mit einem Übermaß an Mist gefüttert werden. Davon leben die Verleger.
    Nach fünfzehn, zwanzig Jahren kristallisieren sich dann die Goldnuggest in dieser Abraumhalde heraus – die “guten alten Zeiten” werden erfunden. Ich glaube aber es ist ein selektiver Prozess des Vergessens vergessenswerter Werke. Wer sucht, der findet auch heute tolle Musik oder Fantasy-Literatur.

  2. Ich kann dem so nicht zustimmen, wenn ich sehe, was allein in den USA an Phantastik erscheint und wie wenig davon tatsächlich übersetzt und bei uns verlegt wird, und WAS übersetzt und verlegt wird, dann sehe ich einen ganz erheblichen Überhang des monierten Materials.

    Dass offensichtlich eine Menge Leute den Massenkram lesen wollen, ist genau das Problem, denn dadurch bleibt qualitativ besseren Ware auf der Strecke, da diese von den Verantwortlichen in den Verlagen nicht angekauft oder bei einheimischen Autoren gleich abgelehnt wird. Zugunsten des Massenmaterials. Natprlich kann man den Verlagen eigentlich keinen Vorwurf machen, die wollen schließlich Geld verdienen.

    Wenn ich aber sehe, dass das Festhalten an der Buchpreisbindung unter anderem damit begründet wird, dass man eben auch “qualitativ hochwertiges” material herausbringen möchte, dann frage ich mich manchmal, wo das denn dann (abgesehen von agheobener Reich-Ranicki-Literatur) ist?

    Die Zahlen der Phantastik-Fans würde ich so nicht unterschreiben wollen, da gibt’s garantiert mehr.

  3. Ich gebe dir auch recht :) Mit einer kleinen Ausnahme: Wenn es dich als Leser so stört die so genannte Romance-Fantasy zu lesen, dann tue es nicht.
    Schon seit der neue Vampir-Boom angefangen hat und damit auch diverse andere Untote wieder ins Rennen gekommen sind, habe ich kein einziges dieser Bücher angefasst, aber dennoch immer etwas zum lesen gefunden; mit richtigen Vampiren, richtigen Werwölfen und richtigen Zombies (ok, letzteres nicht, liegt aber daran, dass ich Zombies nicht mag ;).

    Und ja, ich bin Fantasy-Leserin, seit ich lesen kann. Daher weiß ich auch, dass es auch anders – und zwar wesentlich besser – geht.
    Ob jüngere das noch wissen, frage ich mich allerdings auch …

  4. Ich muss sagen, ich habe kein Problem, interessante Fantasy-Romane zu finden. Und ich mag den Einheitsbrei auch nicht wirklich. Außerdem gibt es so gut wie alles, was ich auf Englisch lese, auch auf Deutsch zu kaufen. Die Sache ist halt einfach die:
    Die Leute, die den Einheitsbrei lesen wollen, sind eindeutig in der Mehrzahl. Die Leute, die gerne etwas Abwechslung hätten, sind dagegen ziemlich wenige. Die sind der harte Kern der Phantastik-Szene, würde ich vermuten. Also vielleicht so ungefähr die 300 bis 500 Leute denen man auf dem BuCon begegnet. Nur mit 500 oder selbst 1000 oder 2000 Lesern kann ein größerer Verlag nicht wirklich genug verdienen, um sich zu halten. Also sind die Bücher, in die man viel Werbebudget steckt, und die dann logischerweise auch in den Buchhandlungen ausliegen, größtenteils der Einheitsbrei. Das heißt aber nicht, dass es nichts anderes zu lesen gibt. Man muss nur etwas genauer suchen. Kommt davon, wenn man den Geschmack der Mehrheit nicht teilt.
    Deswegen gegen die Verlage zu schimpfen, halte ich aber für ziemlich unsinnig.

    1. Herr der Ringe verkauft sich nach Jahrzehnten wie geschnitten Brot (das Zitat habe ich mir von Kollegen Holzhauer ausgeliehen), in die Filme sind Millionen gerannt. Wenn die Masse Einheitsbrei will, warum tun sie sich dann Tolkien an? Nun, ich glaube vielmehr, die Masse konsumiert Einheitsbrei genauso wie Hochwertiges (es sollte halt “gut” lesbar sein, aber auch hier ist HdR sogar jenseits jeder Regel), es kommt nur darauf an, was man ihnen vorsetzt.
      Ich glaube das Problem liegt vielmehr bei den Entscheidern in den Verlagen, da haben manche vielleicht schlichtweg nicht die Kompetenz oder den Mut zu “entscheiden”. Es geht meist nach dem Motto: aufgrund unserer Auswertungen wissen wir was bisher gegangen ist, bleiben wir doch dabei. Aus Unternehmersicht vielleicht nachvollziehbar, aber für die Leser nicht zufriedenstellend. Glücklicherweise gibt es Autoren die groß genug sind (Heitz, Schätzing), dass sie den Lektoren und Verlagen Neues einfach diktieren können. Zum Beispiel die “Wiedereinführung” der Science Ficton (auch Heitz, Schätzing).

      1. Wenn die Masse Einheitsbrei will, warum tun sie sich dann Tolkien an?

        Weil Tolkien genau dieselben Elemente enthält, wie der ganze Einheitsbrei auch? Immerhin hat er das meiste von dem Zeug inspiriert. Ich dachte, wir reden hier darüber, Neues zu versuchen. Also Fantasyromane, in denen sich zur Abwechslung mal nicht die Elfen und die Menschen gegen die Orks (oder was auch immer) verbünden. Fantasyromane vielleicht auch, in denen Gut und Böse nicht klar trennbar sind. Also Fantasyromane, die nicht sind wie HdR.

        Dass Markus Heitz Justifers machen kann, liegt meiner Meinung nach nur daran, dass die Leute alles kaufen, auf dem Markus Heitz draufsteht (also das kaufen, was sie schon kennen). Ich find toll, dass er es macht. Aber nur weil er mit einem SF-Romane auf die Bestsellerlisten kommt, heißt das noch lange nicht, dass irgendjemand anders dasselbe schafft. Selbst weitere Justifiers-Romane habe ich da nicht gesehen. Wenn die Leute so gerne was Neues lesen wollen, warum stürzten sie sich dann nicht auf “Missing in Action”? Warum ist der Justifiers-Roman von Christoph Hardebusch nicht genauso erfolgreich wie der von Markus Heitz?

  5. Zustimmung, aus tiefstem Herzen!

    Interessant ist natürlich, dass man diese Meinungen, die in letzter Zeit vermehrt laut werden, seitens der Verleger als “unqualifiziert”, “Gemaule” und “Genörgel” abtun möchte. Da machen es sich die Damen und Herren aber eindeutig zu einfach und es ist klar zu sagen, dass die immer lauter werdende Kritik in den meisten Fällen fundiert begründet wurde.

    Dass man das in den Verlagen nicht hören möchte ist klar. Ebenso klar ist, dass man am Programm nichts ändern wird, solange sich der Plastik-Klon-Kitsch verkauft wie geschnitten Brot.

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