Elke Heidenreich hält Fantasy für Schund – was steckt dahinter?


Eigentlich habe ich mir vorgenommen, hier nicht über Kritiker zu schreiben. Aber das kann nicht unkommentiert bleiben. Elke Heidenreich hat sich aktuell im Focus über die deutschen Literaturcharts ausgelassen: zu viel Fantasy, zu viel Schund.

Warum nur halte ich diese Aussage eigentlich für komplett verlogen?

Heidenreich packt anscheinend das Grausen, wenn sie den aktuellen Buchmarkt betrachtet. Mich packt das Grausen wenn ich mir solche Aussagen anhören muss. Das einzige, das mich gelinde gesagt noch mehr schockiert, sind diejenigen Menschen, die Frau Heidenreich eine Plattform für derlei Gequirltes bieten. Dem FOCUS gegenüber klagte sie: “Vampire, Trolle, Elfen, Morde. Es ist entsetzlich” – ja, in der Tat: noch mehr Simplifizierung über den Bereich der dt. Genreliteratur in einem Satz geht ja kaum. Aber es kommt noch doller: laut Heidenreich gibt es in den Bestsellerlisten nur unlesbare Hochliteratur auf der einen und Schund auf der anderen Seite.
Warum bloß sagt sie sowas? Warum gerade jetzt? Fantasy, Krimi und Thriller verkaufen sich ja nicht gerade erst seit gestern! Nun, im Gespräch mit dem FOCUS beklagt sie die sogenannte fehlende “Mitte”. Und um genau diese „Mitte“ würde sich die Literaturkritikerin gern wieder im Fernsehen kümmern.
Aha. Frau H. ist auf Arbeitssuche und bringt sich offensichtlich wieder ins Gespräch. Deshalb der Sturm im Wasserglas. Wir erinnern uns nämlich: Elke Heidenreich wurde vom ZDF gefeuert, weil sie das deutsche Fernsehen als „jämmerlich“, „verblödet“ und „lächerlich“ kritisiert hat.
Die gleichen Attribute gelten jetzt wohl für deutsche Genreromane.
Herzlichen Dank auch!

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4 thoughts on “Elke Heidenreich hält Fantasy für Schund – was steckt dahinter?”

  1. Naja, ich bin auch kein großer Fan von Frau Heidenreich, aber ich finde die Bestsellerlisten in den letzten Jahren auch langweilig und uninspiriert. Allerdings nicht, weil viel Genre-Literatur drauf ist, sondern weil die halbe Bestsellerliste aus Band XY von Serie Z besteht, sei es jetzt Genre oder irgendeine Krimiserie. Außerdem sehe ich auch relativ selten Autoren in den Bestsellerlisten, die ich aus Fantasy oder Science Fiction schätze. China Miéville zum Beispiel erscheint bei Bastei Lübbe, direkt im Taschenbuch, und wird kaum wahrgenommen.

    Die Bestsellerliste, die Frau Heidenreich so kritisiert, beinhaltet übrigens momentan auch eins ihrer eigenen Bücher… Ob ihr die ganze Sache hilft, wieder zurück zur ARD zu kommen – ich weiß es ja nicht. Muss auch nicht sein.

  2. da hat man mal jemanden was über bücher sagen lassen und nun meint frau, sie versteht was davon. jemand vom zdf erzählte mir mal, die bücher über die sie sprach hat sie gar nicht gelesen, sondern lesen lassen, liess sich eine zusammenfassung geben und hat darüber gesprochen. wenn es stimmt ….

  3. Kulturchauvinismus par excellence. Im Alter wird die Frau offensichtlich wunderlich.

    Mich würde wirklich mal interessieren, wieviel von diesem “Schund” sie bereits persönlich gelesen hat (um das in dieser Form beurteilen zu wollen) und ob ihr bewusst ist, wie lange es jetzt bereits fantastische Literatur gibt.

    Wir werden schon schief angeguckt, wenn wir über das Überangebot an Schmusevampiren und mangelnde Innovationsbereitschaft bei den Publikumsverlagen nörgeln, aber wie Frau Heidenreich völlig undifferenziert ein gesamtes Genre als Mist abtut, zeugt entweder von gehöriger Arroganz, gehöriger Ahnungslosigkeit oder gehöriger Ignoranz.

    Möglicherweise war diese Selbsteingrenzung auf Themen, die außer ihr keinen interessieren ja auch der Grund dafür, dass ihre Bücher-“Sendung” im Web so keiner recht sehen wollte…

    Ich schließe meinen Rant mit der alten Weisheit: lass sie labern! :)

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