TS Orgel im Gespräch


Stephan und Tom Orgel

Stephan und Tom Orgel

WW: Orks vs. Zwerge ist euer erster großer Printauftritt bei einem Publikumsverlag. In der Vorschau wirbt Heyne gar mit dem Prädikat „Spitzentitel“. Was geht da in einem vor, wenn man so etwas liest?

Tom: Hm. In mir: Eine Portion ganz selbstsüchtiger Stolz, es irgendwie dorthin geschafft zu haben, gepaart mit ein wenig Unglauben darüber, es irgendwie dorthin geschafft zu haben. Dazu eine Spur schlechtes Gewissen Kollegen gegenüber, die wir irgendwie auf dem Weg dorthin “überholt” haben, obwohl sie sicher nicht schlechter sind als wir. Und die leise Stimme, die jetzt die Frage stellt, ob wir dem “Spitzentitel” tatsächlich gerecht werden. Das Wort ist immerhin eine verdammt hohe Messlatte.

Stephan: Spitzentitel? Das Wort hat irgend so ein großmäuliger Ork unter Androhung körperlicher Gewalt durchgedrückt, oder? Jedenfalls bin ich ziemlich gespannt, was daraus wird und vor allem, ob das Buch den Lesern gefällt.

WW: Wie kam es denn zu Orks vs. Zwerge? Wart ihr schon dran an dem Werk (schreibt man solch ein Buch von sich aus überhaupt?), oder war steckte hinter dem Konzept Verlag und Agentur?

T.S. Orgel: Die Idee ist auf dem gemeinsamen Mist von Agentur, Verlag und uns gewachsen. Wir haben letztes Jahr an einem ähnlichen Konzept gearbeitet, das allerdings nicht auf “Völker” ausgerichtet war. Während der Gespräche zu diesem Manuskript entstand zwischen Verlag, Agentur und uns der Gedanke, so etwas konsequent auf einen “klassischen” Völkerkonflikt auszuarbeiten und die zwei Haupt-Erzähllinien ebenso konsequent den beiden Parteien zuzuordnen. Durch unsere Art zu schreiben haben wir sowieso meist mehrere Erzählstränge und Protagonisten. Es ist ein wenig wie beim Rollenspiel, wo jeder seinen eigenen Charakter durch die gemeinsame Geschichte steuert. Die Idee hat den Verlag und uns gereizt. Bei Heyne sieht man das als konsequente Weiterentwicklung und Ergänzung der beliebten “Völker-Fantasy”.
Und bei der Frage, welche Völker wir verwenden, können wir ein Schielen auf die anstehende Hobbit-Verfilmung (in der sich schließlich ein Rudel Zwerge mit einer Horde Orks herumärgert) ruhig zugeben. Wir wollten uns natürlich auch ein wenig austoben, was mit … sagen wir Elfen gegen Zentauren schwieriger ist. Wobei … Pferdescherze gehen ja auch immer.

WW: Wie lange habt ihr an dem Werk gearbeitet? Wie brutal war die Deadline?

Tom: Die Planung begann Anfang September 2011 (am 9.9. ging ein “Brainstorming”-Dokument an die Agentur raus, sagt meine Dateiübersicht), ein Exposé war Anfang Oktober fertig. Letzte Eckdaten haben wir auf der Buchmesse bei einem Kaffee festgeklopft und dann begann die Schreibarbeit. Mein erstes Textdokument stammt vom 4. November – und die erste Szene darin hatte ich schon völlig vergessen. Sie existiert im Buch nicht. *g*
Ab da blieben uns ziemlich genau 6 Monate Zeit, wobei der Plan war, jeweils zum Monatsende 100 Seiten fertig zu haben, was uns einen Monat Puffer ließ. Den haben wir dann bis auf den letzten Tag (und die letzte Nacht) ausgeschöpft. Eigentlich also eine moderate Deadline. Wenn da nicht jeden Tag der Vollzeitjob zum Broterwerb wäre. ;)

Stephan: Schlafen und essen halten einen zwischendrin auch immer wieder auf. Aber glücklicherweise sind wir inzwischen ganz gut eingespielt, so dass der Eine auch mal aushelfen kann, wenn der Andere einen Durchhänger oder andere Termine hat.

WW: Wie habt ihr euch die Arbeit an dem Buch aufgeteilt, wie habt ihr euch abgestimmt?

Stephan: Idee und Grobverlauf der Geschichte haben wir im Verlauf der sechs Monate in endlosen Telefonaten und E-Mails immer wieder neu ausdiskutiert und in Frage gestellt. Jeder hat mal bessere und auch mal schlechtere Ideen und als Brüder scheuen wir uns nicht, den Anderen darauf hinzuweisen, wenn er mit einem bescheuerten Vorschlag kommt. Dadurch sind wir gleichzeitig auch unsere ersten kritischen Testleser. Das hilft ungemein, Brüche und Logiklücken in der Geschichte zu finden (alle jetzt noch vorhandenen sind natürlich reine Absicht und werden in späteren Büchern irgendwann aufgeklärt).
Das eigentliche Schreiben haben wir uns Kapitel- bzw. protagonistenweise aufgeteilt, korrigieren aber immer wieder über das bereits Geschriebene des Anderen drüber. Mein Bruder schreibt etwas ausschweifender, ich manchmal etwas zu knapp. Am Ende treffen wir uns dadurch irgendwo in der Mitte.

Tom: Genau.
Clash of Races: Orks vs. Zwerge

Clash of Races: Orks vs. Zwerge

WW: Es gibt bereits bereits diverse „Orks“- wie auch „Zwergen“-Bücher. Warum ist eures besser, als die bisherigen?

T.S. Orgel: Ob es besser ist – diese Entscheidung überlassen wir mal lieber anderen. ;)
Es ist auf jeden Fall anders. Der “klassische” Erzählweg einer Geschichte sind “die Guten” gegen “die Bösen”. Also zum Beispiel der Zwergenheld oder die Heldengruppe gegen das angreifende Orkheer. Die Rollen und die Sympathieverteilung sind klar, selbst wenn sich glücklicherweise der eine oder andere Ork im modernen Fantasyroman nicht mehr ganz in die Kategorie “hirn- und grundlos böse” einsortieren lässt.

Wir erzählen die Geschichte anders. Es gibt die Aussage, dass ein guter Antagonist, also Gegenspieler der Helden, im Grunde der Held in seiner eigenen Geschichte ist. Genau das nutzen wir: Der Leser begleitet Protagonisten auf beiden Seiten des Konfliktes. Beide Seiten sehen sich im Recht in diesem Krieg und beide begegnen den anderen mit all den Vorurteilen und dem Unverständnis der anderen Kultur, wie sie in Kriegen nun mal üblich sind.
Und wer wäre dafür geeigneter als diese zwei Völker – das eine wild, unzivilisiert, chaotisch und kurzlebig, das andere geradlinig, ordnungsliebend, diszipliniert und langlebig. Noch dazu beide kriegserfahren. Und sind wir mal ehrlich – das sollte natürlich kein Bildungsroman werden. Wir wollten eine Geschichte zwischen zwei handfesten Völkern, die gern raufen, trinken, pöbeln und zu rauem Humor neigen. Damit es eben auch ordentlich kracht und nicht zu zivilisiert und hochphilosophisch zugeht.
Wir hoffen, dass es uns gelungen ist, die Protagonisten beider Seiten verständlich und sympathisch zu machen. Letzteres bei einigen halt in gewissen Grenzen. Wer tatsächlich Recht in dieser Geschichte hat und wie das Ganze ausgeht werden wir jetzt natürlich noch nicht verraten.

WW: Ist dieses Werk jetzt Auftakt einer „Clash of Races“-Serie von Heyne? Werdet ihr weitere Bücher dieser Art schreiben?

Stephan: Ob unser Buch der Auftakt einer ganzen Serie wird, kann Dir vermutlich nur Heyne selbst beantworten. Es kommt sicherlich stark darauf an, ob den Völkerfans die Idee gefällt. Genügend gemeine Kombinationen gäbe es ja. Und wir hätten auch noch eine ganze Menge Ideen, wie sich unsere Orks und Zwerge gegenseitig das Leben zur Hölle machen könnten.

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2 Gedanken zu “TS Orgel im Gespräch

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