Ich habe da mal ein paar Fragen zum Urheberrecht …


Kampf ums Urheberrecht
Kampf ums Urheberrecht

Wer die Presse dieser Tage verfolgt, weiß: Die Urheberrechtsdiskussion artet zu einer richtigen Schlammschlacht aus. Befürworter und Gegner fahren täglich immer stärkere Geschütze auf und ein Ende ist nicht absehbar. Aber haben wir das Thema nicht schon früher gehabt, ist das Ganze nicht ein alter Hut? Oder fokusierter gefragt: Sind wir Künstler nicht schon seit je her vom Konsumenten “betrogen” worden? Oder “betrügen” wir selbst gar, wenn wir Künstler konsumieren und dann dieses Konsumgut an andere weitergeben?

Ein Beispiel: Mein Lieblingsfilmemacher hat gerade seinen neuesten Streifen in die Lichtspielhäuser gebracht. *Freu!* Er verdient daran (im Promillebereich zwar, aber aufgrund seiner Verträge an jeder gottverdammten Kinokarte). Ich bezahle brav den Eintritt und mein Lieblingsfilmemacher wird somit von mir, dem ehrenwerten Konsumenten, entlohnt. *Doppelfreu!* Der Film hat mir dann prompt so gut gefallen – am nächsten Tag gehe ich nochmals rein. Ich nehme aber zehn Freunde mit. Auch sie kaufen alle eine Kinokarte. Soweit so gut.

Ich kann mich an dem Streifen aber nicht sattsehen und kaufe mir nach drei Monaten die DVD. Ich sehe sie zunächst alleine. Das ist kein Problem. Ich habe schließlich für das Produkt bezahlt, ich darf es also konsumieren. Am nächsten Tag lade ich jedoch zehn Freunde ein (die den Film nicht kennen). Der Filmemacher (und natürlich das Studio, der Distributor, etc pp.) erhält von diesen zehn Freunden keine Entlohnung für ihre Kunst. Keinen Cent. Nicht einmal ein Dankeschön. Nada. (Auch nicht von mir übrigens, denn ich habe die DVD fürs zweite Mal anschauen auch nicht neu erworben, und Django zahlt bekanntlich nicht fürs zweite Mal. Ätsch!)

Ein anderes Beispiel: Ich kaufe ein Buch. Nach dem Lesen verleihe ich es an meine sparsamen zehn Freunde. Sie alle haben für das Buch nichts bezahlt, lesen es aber trotzdem. Der Autor (gottseidank war es nicht mein Werk! Puh!) wurde um seine gerechte Entlohnung betrogen (äh … oder?) und erhält – wer hätte es gedacht – natürlich keinen Cent von diesen Geizkragen.

Danach kaufe ich mir ein eBook für meinen DRMfreien Reader. Ich mache von dem Werk Kopien und verteile sie an meine zehn engsten (und geizigsten) Freunde. Es gefällt ihnen und ich beschließe als altruistische Persönlichkeit, die ich nunmal bin (nein, Susanne – sag jetzt bitte nichts Gegenteiliges!),  das eBook an meinen gesammten Facebook-Freundeskreis (über 700 Personen) zu verteilen.
Betrüge ich den Autor um seine Tantiemen? Darf ich denn meine digitale Version überhaupt weitergeben? Gilt sie dann als “gestohlen”, wenn meine Freunde ihrerseits das eBook weitergeben? (Nein? Nein! Meine rechtmäßig erworbene Version habe ich ja noch – oder wie?)

Darf ich ein analoges Buch verleihen? Der Autor bekommt ja keinen Cent dafür!

Darf eine Bibliothek ein Buch verleihen? Wie wird denn hier mit den Urhebern abgerechnet??

Darf ich ein Buch überhaupt laut vorlesen (vielleicht in einer Schulklasse)? Darf das jemand mit einem Digi-Recorder aufzeichnen und auf Facebook stellen? Oder ist das alles Diebstahl?

Wo, bitteschön, beginnt denn eigentlich diese … Urheberrechtsverletzung?

Und … haben wir nicht immer schon das Urheberrecht verletzt?

Sind wir also alle … kriminell?

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One thought on “Ich habe da mal ein paar Fragen zum Urheberrecht …”

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