Ian R. MacLeod im Gepräch #1


Ian R. MacLeod
Ian R. MacLeod

WW: In deinem neuen Roman “Wake Up and Dream” lässt du die Strukturen aus “The Light Ages” hinter dir. Um was konkret geht’s im neuen Werk?

McL: Die Geschichte spielt einer Art alternativen Version Hollywoods in den Vierziger Jahren. „Sprecher“ (talkies) gelten dort als alter Hut und wurden längst ersetzt durch „Fühlende“ (feelies), die Emotionen während Radioaufzeichnungen übertragen, gespeist durch die Gitter hinter dem Schirm. Hauptfigur ist ein abgehalfterter Schauspieler namens Clark Gable. Er erhält ein Angebot, einen erfolgreichen Drehbuchautoren zu mimen, was sich (oftmals bei dieser Art von Angeboten) als zu gut, um wahr zu sein, herausstellt. Man kann eine Welt entdecken, die sowohl grell und voller Glamour ist, aber auch eine dunkle und mysteriöse Seite hat.

WW: Würdest du zustimmen, dass “Wake up and Dream” weniger klassische Fantasy, sondern eher ein Crossover-Roman ist – und wenn ja, ist das nicht etwas, dass Verleger auf die Palme bringt, weil so was niemals ganz in die stromliniengeformten Schubladen der Bestellergenres paßt?

McL: Ich glaube, dem kann ich zustimmen. Wie die meisten meiner Werke bewegt sich „Wake Up and Dream“ irgendwo im Grenzbereich diverser Stilrichtungen. Aber Genres kennen natürlich keine starren Grenzen, und wenn Autoren nicht experimentieren, wäre die ganze Literatur bereits seit geraumer Zeit tot. Es ist aber nicht so, daß ich irgendwie nur ungewöhnliche Werke schreibe, um als kompliziert zu gelten; sondern es ist einfach nur das, was mich am meisten anspricht.
Aber natürlich ist es härter, solche Werke auf den Markt zu bringen. Am Ende sind Bücher ja auch nichts anderes als andere Produkte auch, wie Kekse oder Hotels, und die Verleger versuchen natürlich vergangene Erfolge zu wiederholen oder erfolgreiche Produkte anderer Firmen zu imitieren.
Weiter kommt man damit natürlich nicht, und die Menschen werden irgendwann müde, die immer gleichen Aufgüsse des selben Themas zu erleben. Aus diesem Grund ist Innovation wichtig, aber sie beinhaltetet auch ein höheres Risiko. Nur die Belohnung ist auch ungleich größer.

The Light Ages
The Light Ages

WW: Benötigt Phantastische Literatur deiner Ansicht nach neu zu entdeckende Grenzen? Ist es an der Zeit, wieder ein ‚Unentdecktes Land’ zu entdecken?

McL: Vielleicht ist das zum Teil genau das was ich versuche zu tun, obwohl ich, wie ich bereits sagte, eigentlich nur nach Dingen suche, die mich interessieren. Das, und mein weitgefächertes literarisches Lesespektrum, lassen mich kontinuierlich neue und überraschende Dinge (zumindest in meinen Augen) in meinen Texten ausprobieren. Eines dieser Dinge, die ich mir vorstellen kann, ist – nachdem der sogenannte Westen seine ökonomische Vorreiterrolle immer mehr verliert ¬–, dass wir immer mehr Impulse anderer Kulturen erleben werden, und das nicht nur als „lokale Färbung“.

Es folgt Teil 2.