Chris Ransom im Gespräch #1


Chris Ransom (c) Ransom
Chris Ransom (c) Ransom

WW: Chris, dein erster Roman, “Das Haus der Vergessenen Kinder” war ein recht ordentlicher Erfolg in den Vereinigten Staaten und ein geradezu riesiger Erfolg in Großbritannien – ist das nicht bereits Garantie genug für einen großen Verlagsvertrag?

CR: Ha! Wenn es nur so wäre. Die erschreckende Realität in der Verlagsbranche – besonders bei der momentanen wirtschaftlichen Lage –, ist so, dass es keine Garantien gibt – gar keine, nada, null! Grundsätzlich ist es so, dass sich Autoren jeden Tag neu beweisen müssen. Natürlich haben die Verkaufszahlen früherer Titel einen Einfluß auf die Manuskriptannahme eines Lektors, doch der gleiche Lektor will natürlich auch vom Werk beeindruckt werden. Neben allen wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Publizierens, den Verkaufszahlen und all den Powerpointpräsentationen, sagt mir meine (eingeschränkte) Erfahrung, dass das Ankaufen von Manuskripten durch Lektoren immer noch abhängig ist, von deren Vorlieben und Instinkten. Es reicht nicht aus, etwas zu schreiben, das scheinbar irgendwie für den einen oder anderen Lektor funktionieren mag. Dein Lektor muß das Buch letztlich wirklich lieben und stolz darauf sein, nicht bloß auf irgendein früheres Werk. Autoren wissen, dass Begeisterung für ein Projekt regelrecht die Leidenschaft im Verlag entfachen kann, was sich schließlich auf die harte Arbeit des Vertriebs, der Marketingleute, des PR-Teams, der Designer und so weiter auswirkt. Nur mit dem festen Glauben an die Stärken eines Buches, kann das Werk letztlich so in die Welt entlassen werden, dass es sich auch in guten Verkaufszahlen niederschlägt. Und am Ende sind es allein die Umsätze, die Verlage am Leben erhalten; deswegen sind Leidenschaft und Gewinn eng miteinander verzahnt.

WW: Hat deine Karriere als Autor in den Vereinigten Staaten nicht bereits ein jähes Ende genommen? Was wirst du als nächstes tun?

CR: Meine Karriere in den USA hat überhaupt kein Ende genommen, sie gedeiht nur nicht so stark wie in Europa. Tatsache ist: wir haben einen amerikanischen Verleger für mein zweites Buch, „The Haunting of James Hastings“, aber der Deal wurde erst kürzlich besiegelt und ich kann keine Details dazu nennen. Momentan muss es ausreichen, wenn ich sage, dass ich begeistert bin, mein zweites Buch in guten Händen zu wissen, und es wird wirklich eine schöne Hardcover-Veröffentlichung werden . . . mit einem ansehnlichen Verlag, der sich wirklich um meine Geschichten kümmert. Mit dieser „Hastings“-Veröffentlichung ist zirka Anfang bis Mitte 2011 zu rechnen. Aber ich sehe meine Karriere als Autor nicht geographisch zweigeteilt, weder hier noch da. Ich habe eine Karriere als Autor, und dafür bin ich dankbar. Ich werde in Großbritannien, Deutschland, Amerika und bald auch in Holland veröffentlicht. Natürlich wäre es schön, in Amerika genauso viele Leser zu haben wie in Europa, aber solange ich in der Lage bin, meine Einkünfte damit zu bestreiten, bin ich schon äußerst zufrieden. Was ich als nächstes tun werde, daran hat sich nichts geändert, und würde sich auch nicht ändern, selbst wenn der Absatz meiner Bücher in Amerika oder im Ausland steigen oder fallen würde. Ich arbeite gerade an meinem dritten Roman und versuche dabei das verdammt beste Ding zu schaffen, das geht. Punkt.

Chris Ransom - der neue Stephen King?
Haus der vergessenen Kinder

WW: “Das Haus der Vergessenen Kinder” – dein erstes Buch – handelt von einem Verfluchten Haus. Ein recht tückisches Subgenre, weil jeder Leser scheinbar weiß, auf welche Art und Weise so eine Geschichte erzählt werden sollte. War das für dich ein Problem während des Schreibens?

CR: Das war für mich gar kein Problem, hauptsächlich deswegen, weil ich gar nicht vorhatte ein Buch über ein Verfluchtes Haus zu schreiben. Ich habe mich nicht im Geringsten darum gekümmert, was für eine Art Buch “Das Haus der Vergessenen Kinder” wird. Ich folgte allein dem Rat von erfahrenen und respektablen Autoren und schrieb nur über interessante Charaktere und über Situationen, die mich begeisterten.
Die Aspekte des Verfluchten Hauses kamen dann ganz nebenbei und ich hatte viel zuviel Spaß mit ihnen, um mir Sorgen darüber zu machen, ob es dieser oder jener Konvention gerecht wurde. Zugegeben, ich versuchte schon, Wiederholungen oder billige Imitationen von unheimlichen Szenen und Ereignissen – von denen wir alle schon in zu vielen Romanen über Verfluchte Häuser gelesen haben – zu vermeiden. Und ich glaube, dass ich mit meinen meinen Kernthemen (Geburt, Angst vor der Vaterschaft, Untreue und dem Zusammenbruch der Ehe) einige ziemlich unkonventionelle Momente herausgearbeitet habe, die eine Hommage an das Genre darstellen, ohne gleich Zuflucht in Clichés suchen zu müssen.

WEITER MIT INTERVIEW TEIL 2

One thought on “Chris Ransom im Gespräch #1”

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.