Holger Weinbach im Gespräch


Holger Weinbach (c) Weinbach
Holger Weinbach (c) Weinbach

Die Eiswolf-Saga (auf sechs Bände ausgelegt, ACABUS-Verlag) hat bereits mit dem Erscheinen des zweiten Buchs (Irrwege) ganz schön Wellen geschlagen. Autor Holger Weinbach verrät im Gespräch, warum das 10. Jahrhundert es ihm so angetan hat und warum aus der Eiswolf-Saga kein mehrbändiges Fantasywerk entstanden ist.

WW: Die Eiswolf-Saga ist als Sechsteiler ausgelegt. Wie geht man als Autor an solch ein komplexes Werk heran?

HW: Ehrlich gesagt habe ich mir Anfangs noch nicht vor Augen gehalten, wie groß die Geschichte tatsächlich wird und um bei der Wahrheit zu bleiben: Sie ist während des Schreiben auch noch gewachsen. Aber natürlich muss man bei jeder Geschichte irgendwie an den Plot und den Aufbau herangehen. Bei einem Mehrteiler ist es schon zu Beginn sehr hilfreich, hier vorzugehen. Dessen bewusst habe ich anfangs bereits eine Art Stufendiagramm verfasst, die groben Kapitel zu strukturiert und auch die Bücher eingeteilt. Damals war die Saga noch als Trilogie geplant – mit drei recht dicken Bänden. Doch aus verschiedenen Gründen haben der Verlag und ich das erste Buch noch einmal geteilt und entsprechend ergänzt. Und das tat den beiden erschienen Bänden auch ganz gut. So hatte ich mehr Spielraum, die Handlungsstränge und Charaktere weiter zu entwickeln. Dass ich damit mein Stufendiagramm über den Haufen geschmissen habe, ist die logische Konsequenz daraus. Doch für die weiteren Bücher kann ich dieses wieder als Grundlage meiner Handlungsstränge verwenden.

Doch wie geht man diese Thematik an? Eine der schwierigsten Herausforderungen sind wohl die unterschiedlichen Handlungsstränge, die einigermaßen chronologisch und logisch miteinander verwoben sein müssen. Die Kapitel müssen spannend enden, ebenso die Bücher. Wichtig für mich ist aber, dass ich dem Eigenleben der Charaktere in meinem Kopf freien Lauf lasse, denn sie geben mir immer wieder neue Impulse für die Geschichte. Demnach ist so ein komplexes Werk zwar in gewissen Maßen zu planen und zu strukturieren, dieses Korsett sollte aber während des Schreibens noch genügend Freiraum für die Figuren haben, sich selbstständig zu entwickeln und um agieren zu können.

WW: Historische Romane sind bekannt dafür, dass sie rechercheintensiv sind. Machst du das komplett übers Internet, oder gibt es auch Vorortbegehungen? Und wenn ja, wie sieht das konkret aus?

HW: Eine gute Recherche ist einer der Grundpfeiler für einen guten historischen Roman. Zum Teil nutze ich hierfür das Internet, doch sind die einzelnen Inhalte der Webseiten mit Vorsicht zu genießen. Meist sehe ich das Web nur als Ergänzung zur Fachliteratur in meinem Bücherregal. Da ich aber nicht alles recherchieren kann, habe ich einen Historiker im Hintergrund. Durch ihn habe ich noch den einen oder anderen Logikfehler korrigieren können und z. B. für IRRWEGE die Idee um das Columbankloster noch einmal prüfen lassen, um es dann zu präzisieren. Durch ihn habe ich auch schon so manchen guten Literaturhinweis erhalten und die Geschichtsbücher werden immer mehr …

Einen anderen Teil der Recherche habe ich 2008 in Schweden betrieben. Einige Kapitel von IRRWEGE spielen in Birka, auf der Insel Björkö in Schweden. Ein historischer Ort mit Ausgrabungsstätten, den ich unbedingt aufsuchen musste. Hier habe ich mir einige Anregungen geholt und konnte meine Vorstellungen über das Leben dort konkretisieren. Diese Erfahrungen und Eindrücke werden sich aber erst im 3. Band widerspiegeln.

Die Eiswolf-Saga, Band 2: Irrwege (c) ACABUS-Verlag
Die Eiswolf-Saga, Band 2: Irrwege (c) ACABUS-Verlag

WW: Warum eine Romanserie in der Zeit Otto des Großen? Was war für dich der besondere Reiz des 10. Jahrhunderts?

HW: Ursprünglich war die Saga als Fantasy-Epos geplant. Aber als ich den Plot entwickelte, war die Harry-Potter-Welle gerade auf ihrem Höhepunkt und ich fürchtete von Verlagen als Trittbrettfahrer abgelehnt zu werden. Vielleicht wäre auch genau das Gegenteil eingetroffen, doch ich entschied mich, ein anderes Genre für den Plot zu finden. Und nichts lag da für mich näher, als einen historischen Roman daraus zu machen, denn Geschichte, vor allem das Mittelalter, finde ich sehr interessant. Das 10. Jahrhundert habe ich wiederum gewählt, weil die Wikinger, also die Eiswölfe, eine tragende Rolle in der Saga spielen werden. Zudem ist über das 10. Jahrhundert genügend bekannt, um ausreichend recherchieren zu können, lässt mir aber im Gegenzug auch ausreichend Interpretationsspielraum und Möglichkeiten, ein wenig Mystik etc. mit einzubauen. Eine spannende Epoche ist es allemal.

WW: Kannst du kurz den Inhalt der Eiswolf-Saga umreißen?

HW: Die Saga erzählt die Geschichte des Jungen Rogar, der durch Intrigen des eigenen Onkels seine Eltern und sein Erbe, die Grafschaft, verliert. In einem nahen Benediktinerorden verborgen, wächst er unter falschem Namen, Faolán, und dem Schutz des Abtes auf. Doch es droht ständig Gefahr, dass die wahre Identität des Knaben entdeckt wird. Als Faolán in seiner Jugend schließlich das Leben außerhalb des Klosters kennen lernt, trifft er auf das Mädchen Svea – und verliebt sich. Doch als Novize eines Klosters bringen ihn seine Gefühle für das Mädchen und seine Taten natürlich in Schwierigkeiten. Doch je härter er bestraft wird, um so größer wird sein innerer Widerstand und eines Tages bricht er alle Regeln, nur um seinem Herzen zu folgen. Dass dabei auch die Wölfe des Nordens, die Wikinger, eine Rolle spielen werden, ahnt noch niemand.

Soweit eine sehr knappe Umschreibung des Plots der ersten beiden Bücher der Saga. Mehr möchte ich hier noch nicht verraten, schließlich muss ich den dritten Band erst noch verfassen. Und einen Spoiler möchte ich natürlich vermeiden.

WW: Band 2 ist gerade erschienen, wie sieht die weitere Planung aus? Jedes Jahr ein Buch?

HW: Schön wäre es, wenn ich diesen Zeitplan einhalten könnte, doch das wird nicht realistisch sein. Zumindest nicht so lange ich meine Brötchen mit der Architektur statt der Literatur verdienen muss. Denn die meiste Zeit des Tages verwende ich für meinen Brotberuf als freier Architekt. Anfang 2009 habe ich mich als solcher selbstständig gemacht, damit ich mehr Zeit zum Schreiben finde und es hat sich bewährt, dass ich als Freiberufler mir meine Zeit flexibler gestalten kann als jemals zuvor. Bedarf es kurz vor Veröffentlichung noch mal intensiver Überarbeitung, kann ich, sofern architektonische Projekte es erlauben, meine Konzentration voll auf das jeweilige Manuskript richten. Und das funktioniert als Selbstständiger wesentlich besser, als nach einem Zehn- oder Zwölf-Stunden-Arbeitstag sich abends noch einmal hinzusetzen. Das geht auf Dauer nur auf Kosten der Qualität.

Aber wie wird es weiter gehen? Momentan ist der 3. Band für Mitte 2012 angekündigt. Das verschafft mir genügend Luft, das Manuskript erst einmal zu verfassen, ohne Zeitdruck. Nur so kann ich den Erwartungen meiner Leser gerecht werden. Ich hoffe, dass sie so viel Geduld mit mir haben werden. Aber ich denke schon, den die meisten Rückmeldungen von IRRWEGE bescheinigen mir genau das.

Wann Band 4 erscheinen wird, kann ich noch nicht voraussehen. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, ob ich mir mehr Zeit für die Literatur als für die Architektur nehmen kann. Und darüber werden letztendlich nur die Verkaufzahlen und damit das Honorar entscheiden. Da hilft nur Daumen drücken, dass ich weiterhin und zunehmend Leser begeistern kann. 🙂