Action, Andy! – Deutschlands verrücktester Verlag im Gespräch


Neues Jahr, neues Spiel – „der verrückteste Verlag Deutschlands“ (Eigenbeschreibung) blickt zurück, zieht Bilanz und wagt einen Blick in die Zukunft. Wortwellen sprach mit Andy Lettau, dem Geschäftsführer des Action-Verlags.

Andy Lettau
Andy Lettau

WW: Ein Jahr Action-Verlag – ein turbulentes, nervenaufreibendes Jahr mit viel Veränderung. Was ist alles passiert, welche Erwartungen wurden erfüllt, welche nicht?

AL: In der Tat, es war ein turbulentes 2010. Nach dem Erfolg unserer Erstproduktion haben uns Autoren, Sprecher und Musiker nahezu überrannt. Wir haben viele wunderbare Menschen kennengelernt, die bereit waren mit uns ins Risiko zu gehen. Wir haben quasi täglich einen neuen Kreativen mit ins Boot genommen und einen Rammkurs gesetzt, um ein paar Große zu ärgern. Das geschah aus einer spielerischen Laune heraus. Wir wollten eigentlich nur den Markt ein wenig beleben und den ganz Großen sagen „Hey, Verwertungslizenzen ausländischer Autoren kann jeder kaufen und mit großen Sprechernamen zu Hörbüchern umsetzen. Aber kümmert Euch bitte auch um den Autorennachwuchs und die großartigen Nachwuchssprecher!“ Naja, in diesem Punkt wurden die Erwarten nicht erfüllt. Die großen Verlage setzen nach wie vor auf große Sprechernamen, und platzieren dann VERGEBUNG, VERBLENDUNG; VERDAMMNIS usw. ganz vorne. Dem für solche Werke erzeugten Werbedruck kann man als Newcomer bzw. kleiner Verlag nichts entgegensetzen. Das Jahr 2010 war also Licht und Schatten. Licht insofern, als dass wir plötzlich in zweihundert Produktionen steckten und z.B. zwei Mal zum „Top-Tipp“ im Hörbücher Magazin avancierten. Schatten insofern, als dass wir strukturelle Probleme hatten und zu schnell gewachsen sind. Nach wie vor ist das Thema Offline-Vertrieb nicht in Gänze gelöst, um mal ein Beispiel zu nennen. Insgesamt können wir aber wohl ein positives Fazit für 2010 ziehen. Wir sind diverse Verlags-Kooperationen eingegangen und haben bestimmte raffgierige Investoren wissen lassen, was wir von deren Beteiligungsofferten halten.

Action-Verlag-Programm
Action-Verlag-Programm

WW: Der Action-Verlag muss sich nicht mehr verstecken – einige Werke befanden oder befinden sich auf dem Downloadportal audible in Bestsellerpositionen. Wie reagiert das professionelle Verlagsumfeld darauf? Hat sich die Akzeptanz des Action-Verlags erhöht?

AL: Ja, wir werden verstärkt wahrgenommen. Anscheinend hatten einige gemeint, wir wären eine Eintagsfliege oder mit „DEFCON ONE“ eine Art One-Hit-Wonder. Ein Haufen Spinner und richtiges Konzept. Ein paar Verrückte, die dies sogar per Werbeslogan nach außen verkünden. Aber manchmal muss man wohl besonders laut in den Wald rufen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Auf jeden Fall gab und gibt es diverse Anfragen. Man sieht sich auf den Buchmessen und beschnuppert sich. Und vielleicht ergeben sich daraus ganz nette Synergiefeffekte. Ich möchte an dieser Stelle jetzt nicht jedes Telefonat oder Treffen im Detail wiedergeben. Aber hohe Chartpositionen, wie z.B. die von TRÜMMERJUNGE oder DER KAKAO, DIE LIEBE UND DER TOD oder auch die Deines eigenen Werkes TIR NA NOG bringen den Autoren und dem Verlag Aufmerksamkeit und den großen Mitbewerbern die Erkenntnis, dass ACTION VERLAG inhaltliche wie technische Qualität umsetzt. Die Akzeptanz dem Verlag gegenüber hat sich also erhöht, ja. Die Firma TONEBLASPHEMY, unser neuer technischer Partner mit Alleinverantwortung fürs Mastering, steht zudem für exzellenten HighEnd-Sound. Florian Schober, der u.a. Expertisen und Gutachten zu Audioproduktionen anfertigt, gewährleistet mit seinem Know How einen optimalen Hörgenuss. Zudem werden vermehrt Rezensionsexemplare von diversen Medien angefordert, ehrliche Kritiken geschrieben, Vorschläge zur Zusammenarbeit durchVetriebspartner unterbreitet. Wir schauen und prüfen, wir nehmen uns Zeit. Ein großer deutscher Radiosender will ab Mitte 2011 wöchentlich ein Hörbuch von uns senden. Wir lassen die ersten Apps entwickeln und bringen erste englischsprachige Werke raus. 2010 war das Jahr des Experimentierens und Programmaufbaus, 2011 wir das Jahr der Weichenstellung. Wenn dann ab 2012 „richtig“ verdient wird, freut uns das alle. Wir sind selber gespannt, welche Wege sich für uns eröffnen. Das Schicksal von Radioropa wollen wir vermeiden. Wir wollen auf jeden Fall ein Verlag zum Anfassen bleiben.

WW: Es gab im Aufbaujahr 2010 die einen oder anderen Probleme, manche Werke konnten ihre Erscheinungstermine nicht halten. Wie kam es dazu und wie wirst du in Zukunft damit umgehen?

AL: In allgemeiner Optimismusstimmung waren wir bisweilen zu euphorisch, was Veröffentlichungstermine anbelangt. Manche Dinge brauchen in der Umsetzung eben Zeit, wir wollen weg vom Hau-Ruck. Zukünftig benennen wir keine Veröffentlichungstermine mehr. Entweder ist etwas im Status „erschienen“, oder etwas ist im Status „in Produktion“. Wir müssen die Ungeduld der Kreativen ein wenig bremsen. Dennoch bleibt es bei der angekündigten Zahl: Binnen von nicht ganz zwei Jahren sind ca. 250 Produktionen fertig. Manche davon früher, mache davon später als erwartet.

WW: Ein kurzer Ausblick in die Zukunft: was wird sich ändern? Welche Schwerpunkte bestimmen 2011? Bleibt der Action-Verlag immer noch bei dem Slogan „Der verrückteste Verlag Deutschlands“ oder nähert man sich dem Mainstream an?

AL: Das eine schließt ja das andere nicht aus. Ob der Slogan bleibt, wird sich aber zeigen. Mir persönlich gefällt ja der Spruch des Kollegen Christoph Nolte, der da sagt: „Wo wir sind, ist vorne“. Das ist so richtig bekloppt übertrieben und in Verbindung mit der uns nachgesagten Verrücktheit vielleicht crazy genug, um als selbstironische aber gleichzeitig auch selbstbewusste Aussage verstanden zu werden. Was die Schwerpunkte 2011 anbelangt: Wir setzen verstärkt auf Hochspannung und erstklassige Sprecher. Thriller wie JIHAD, Vampirisches wie BLOOD EMPIRE, Krimiserien wie NEW YORK DETECTIVES, Fantasy wie SCHATTEN oder CLYATHOMON, Fun-Fantasy wie SÜD SALATONIEN, Historisches wie DIE GELIEBTE DES GELBEN MONDES usw. zeigen, dass wir verstärkt auf Langwerke und verstärkt auf Mainstream setzen. Nach wie vor erlauben wir uns aber auch Experimente in Nischen, wie zB. mit Western. In puncto Drama, Science-Fiction und Liebesroman werden wir unsere Programmaktivitäten zurückfahren.