Schreiben in Zeiten der Pool-Animation


Sean kämpft gegen die Poolanimation
Sean kämpft gegen die Poolanimation

„Túatha Dé Danann“ ist eine riesige Wanderbaustelle – sie verfolgt mich sogar hier jenseits der Alpen. Ich sitze in diesem Moment im kühlen Inneren unseres Ferienhauses, meine Frau kommuniziert gerade auf dem SAMSUNG-Netbook auf Facebook und von draußen, durch die geöffnete Balkontüren, dringt die ölige Stimme eines völlig unbegnadeten (aber unglaublich braungebrannten) Animateurs, der routiniert Trainingsanweisungen auf italienisch für Poolgäste erteilt. O Mann, ich glaube, ich brauche einen Drink (Whisky, Wein oder Bier – ganz egal). Am besten in einem Eimer, mit einem Röhrchen.
Okay . . . die erste Überarbeitung ist durch, der Himmel gnadenlos blau (und das bereits seit einer Woche!), die Familie glücklich und zufrieden – was will man mehr? Ich sitze im Schatten und hämmere die Korrekturen (oben steht heute Seite 143 – IST DAS NICHT WAHNSINN?) in die Maschine (ein rustikales Toshiba Satellite Pro 4600) – und ja, ich würde euch gerne einen längeren Ausschnitt von „Túatha Dé Danann“ als Teaser präsentieren (da hätten sicherlich auch meine Verleger nix dagegen), aber wie ich es drehe und wende: der Text ist einfach nicht soweit, selbst wenn manche Passagen schon ziemlich ausgereift klingen . . .

Aber die konstante Hitze stimmt mich gutmütig. Ich bin gerade über eine winzig kleine Textstelle gestolpert, die uns etwas über die Figur des Abgründigen Gottes erzählt . . .

(Zur Info: am Ende von „Tír na nÓg“ hat Nyail die verpuppte Gestalt des Abgründigen Gottes an Bord eines Luftschiffes verfrachtet und Kurs auf Südland genommen. War der Gegenspieler des Goldenen im ersten Teil von Cornelis Abenteuer nur eine Randfigur, bekommt sie in „Túatha Dé Danann“ eine gewichtigere Rolle und einen Namen.)

Der Abgründige Gott erwachte. Er war einst eine Knospe Yggdrasils gewesen, eine von denen, die zu Boden gefallen waren. Ein verlorenes Kind des Baumes. Doch er war nicht tot, wie manche vielleicht annahmen, als er reglos mit bleichem Gesicht dalag und seinen langen Weg durch die Erde hinunter auf die andere Seite antrat.
Die andere Seite: die Anderswelt, orbis alia, die Welt der Geisttrinker – sie waren blutsverwandt mit den Fomoraig und den Túatha Dé Danann; Wesen, die lebten, weil sie die Gedanken der Menschen von jenseits des sidhe tranken. In die lichtlose Dunkelheit des Nachtlandes verschlug es das Kind, Sohn von Niamh, das nicht ahnen konnte, daß es eines Tages ein Gott sein würde.
Doch die Frauen von Gog und Magog, allen voran Fand, die schrecklich schöne Königin der Nacht, wußten um sein Schicksal und behüteten es vor den schrecklichen und launischen Herrschern der Fomoraig, die zu dieser Zeit in der Tiefe herrschten.
Die Frauen gaben ihm den Namen Cú Chulainn und lehrten ihm das geheime Wissen von Tír na mBeo, der Oberwelt, auch Albion genannt, das alte Reich der Túatha Dé Danann.