Andreas Dresen im Gespräch


Andreas Dresen
Andreas Dresen

Hier kommt eine neue Stimme der Phantastischen Literatur. Sein Name: Andreas Dresen. Sein Debütroman erschien im Acabus-Verlag. Jetzt steht er Wortwellen Rede und Antwort:

WW: Zum Titel deines Debütromans im ACABUS-Verlag: „Ava und die STADT des schwarzen Engels“ – da ist das Wort Stadt „großgeschrieben“ und dahinter (als Subtitel) folgt „Ein STADTroman“. Was bedeutet das? Wird es mehrere Erzählungen aus der STADT geben und was ist diese STADT überhaupt?

AD: Die STADT ist eine Art Parallelwelt in einer modernen, typischen mittelgroßen Stadt, wie wir sie alle kennen. In der Stadt leben die normalen Menschen und ignorieren alles, was es eigentlich in ihrer Vorstellung nicht geben darf. Wenn ein Golem durch die Einkaufsstraße schreitet, ein schwarzer Engel vor dem Krankenhaus in den Himmel aufsteigt oder die Waldwürger sich hin und wieder einen Jogger krallen, dann weigern sich die Menschen solche Ereignisse wahrzunehmen. Ihre Augen mögen etwas wahrnehmen, aber ihr Verstand lässt so etwas nicht zu und darum können die Menschen diese Dinge nicht sehen.
Aber sie sind da, diese Wesen, sie leben zwischen uns. In „unseren“ Häusern, unter „unseren“ Straßen und auch im Rathaus. Und sind wir wirklich sicher, wer uns hier regiert? Ein Bürgermeister, oder ein Kanzler? Auch wenn sich der Stadtrat aus Parteien zusammensetzt, im STADTrat sitzen ganz andere Wesen. Diese Welt innerhalb der Stadt ist die STADT.
Bei Ava und die STADT des schwarzen Engels wird eine junge, ganz „normale“ Frau, in diese Welt hineingezogen, als man ihr nach der Geburt der Zwillinge die Kinder raubt und einem schwarzen Engel übergibt. Obwohl niemand ihr glaubt, und jeder behauptet, die Kinder seien gestorben, weiß Ava, so heißt diese junge Frau, was sie gesehen hat. Und sie will sich ihre Zwillinge zurück holen. Dabei hilft ihr Fahrat, ein Schwertler, der einen guten Wein und ein üppiges Mahl jedem Abenteuer vorzieht. Doch er ist ein Bewohner der STADT und fühlt sich verpflichtet, Ava beizustehen. Was folgt ist eine Reise durch diese STADT, voller fremder Wesen und undurchsichtiger Machenschaften. So trifft sie zum Beispiel auch auf die Verschwörungstheoretiker, die mit modernster Computertechnik versuchen, dem Schwarzen Engel das Handwerk zu legen, oder auf Manfred, der LKW-Chimäre.
Bislang ist „Ava und die STADT des schwarzen Engels“ erschienen, aber es wird noch mindestens „Samson“ folgen, geplant sind von mir auch noch ein paar erweiternde Kurzgeschichten und ein dritter Band. Die Geschichten um Ava, Fahrat, Morton, Samson und die STADT sind allerdings so vollgepackt mit Möglichkeiten, dass ich nicht ausschließen möchte, dass es nicht noch weitere Bände geben könnte. Ich mag diese Welt!

WW: Ein Lesekommentar auf Amazon hat dein Werk mit China Miévilles »Die Stadt und die Stadt« verglichen. Siehst du dich selbst in dieser avantgardistischen Fantasy-Tradition?

AD: Ich kann mit solchen Begriffen nicht viel anfangen. Mir macht es Spaß, Fantasy dort zu sehen, wo sie um uns herum ist. Das heißt, die Phantasie nicht von unserer scheinbar realen Welt zu trennen, sondern sie in unser Leben zu integrieren. Fantasy hat ja auch immer etwas damit zu tun, dass man die Anforderungen dieser Welt, in der wir leben, verarbeitet – und sei es durch ein Wegträumen in eine andere Welt oder eben das Aufnehmen neuer Technik oder gesellschaftlicher Entwicklungen. Neue Zeiten, neue Ideen geben uns die Möglichkeit, auch die Welt in der Fantasy-Geschichten spielen zu erweitern. Steampunk, Biopunk, Cyberpunk sind solche Strömungen, die den Zeitgeist wiedergeben – und damit auch das reflektieren, was die Autoren und die Leser zu dieser Zeit beschäftigt oder auch ängstigt. Ich finde das toll. Außerdem mixe ich einfach gerne bestehende Genres.

WW: Wann findet Andreas Dresen Zeit zum Schreiben und wie lange brauchst so ein Werk von der ersten Idee bis zum fertigen Werk?

AD: Das ist recht unterschiedlich. Wenn ich wirklich an einem Projekt sitze, und in Gedanken und mit dem Herz dabei bin, dann finde ich immer Zeit zum Schreiben. Dann sitze ich schonmal morgens vor der Arbeit vor dem Rechner und abends ebenso, manchmal bis in die Nacht, bis mir die Augen zufallen. Bei längeren Projekten, wie meinen Romanen, wenn ich regelmäßig daran arbeite, sitze ich meist am Abend ein paar Stunden und natürlich am Wochenende.
Bei einer Kurzgeschichte dauert es meist nicht so lang, bis sie umgesetzt ist, doch folgt der Schaffensprozess dort inzwischen tatsächliche einem gewissen Muster. Plötzlich springt mich etwas an, ein Sachverhalt interessiert mich. Dann lese ich darüber, ich denke darüber nach, mache mir ein paar Notizen, aber noch nichts festgelegtes, nur ein paar Zeilen.
Dann gärt die Idee in mir. Das kann ein paar Stunden, aber auch schonmal ein paar Wochen dauern. Und irgendwann, nach vielen Mindmaps und Charts habe ich dann ein Konstrukt fertig, dann kenne ich die Geschichte, ihren Hintergrund und die Personen. Dann muss ich sie nur noch runterschreiben. Das allerdings geschieht dann manchmal wie im Rausch, da kann ich nur schlecht aufhören und werde ungern gestört.
Bei Romanen ist es ähnlich, da plane ich inzwischen auch gerne. Von der ersten Idee bis zu der Fassung, die ich an Verlage schicken würde, vergeht dann ein halbes eher aber ein ganzes Jahr. Auch hier gilt, wenn mich die Idee gepackt hat und ich den Rahmen kenne, dann würde ich es am liebsten direkt alles in einem Rutsch aufschreiben.

WW: Was bringt die Zukunft? Mit welchen Veröffentlichungen dürfen wir rechnen?

AD: Die nahe Zukunft bringt erst einmal „Das Buch des Hüters“ im Acabus-Verlag, welches bereits auf Amazon gelistet ist! Das ist ein Postapokalyptischer Eco-Fiction Roman, der von einer Welt namens Panäa erzählt. Hundert Jahre nach dem „Ende“ ist die heutige Zivilisation zerstört und so gut wie vergessen. Ein Teil der Menschheit lebt unter dem Diktat der Ökofaschisten, die Land und Leute in mittelalterlichen, technikfeindlichen Zuständen leben lassen. Doch es geht die Sage, dass der „Hüter“ zurückkehren wird …
Eine weitere Veröffentlichung steht dann Anfang 2012 an. Der zweite STADTroman steht ebenfalls bei Acabus in den Startlöchern. Samson, ein junger Mann, wird in die finsteren Machenschaften des Devil Malone hineingezogen, der nichts anderes vorhat, als die Sicherheit der STADT zu gefährden und das Machtgefüge ins Wanken zu bringen. Aber er hat nicht mit der Hartnäckigkeit eines gewissen, etwas faulen Schwertlers gerechnet.
Weiterhin wird es neben den bereits erschienenen, regelmäßig weitere ebooks im epospresse-Verlag geben, die im Moment hauptsächlich auf Amazon oder auch als ePub, oder pdf zu haben sind (siehe dazu auch www.andreas-dresen.de). Dort entstehen im Moment im Rahmen der Reihe „Phantastische Geschichten im epospresse-Verlag“, eine kleine feine Auswahl an Geschichten, die online zum kleinsten Preis publiziert werden. Das macht mir unheimlichen Spaß, weil man noch näher am Feedback der Leser dran ist.

Andreas Dresen - Ava und die STADT des schwarzen Engels
Andreas Dresen - Ava und die STADT des schwarzen Engels