Vincent Voss im Gespräch


Autor Vincent Voss war schon fast alles: Student, Pflegehelfer einer akutpsychiatrischen Einrichtung, Qualitätsmanager, Bodyguard, Call-Center-Agent, Tankwart, Fotografen-Assistent und Bestatter … ideale Voraussetzungen für das Schreiben von Horror-Romanen (vgl. Biographie Stephen King). Vincents aktuelles Werk trägt den merkwürdigen Titel „172,3“. Was es damit auf sich hat, verrät er hier im Gespräch mit Wortwellen …

Vincent Voss - bald eine gewichtige Stimme im dt. Horror-Geschäft
Vincent Voss – bald eine gewichtige Stimme im dt. Horror-Geschäft

WW: Dein Roman „172,3“ erscheint in diesen Tagen im Luzifer-Verlag (Leseprobe). Ein recht ungewöhnlicher Titel. Kannst du uns verraten, um was es in deinem Buch geht und was es mit dem Titel auf sich hat?

VV: „172,3“ Kilogramm bringt Viktor Vogel auf die Waage, als er beschließt, wirklich abnehmen zu wollen. Mit einem feierlichen Schwur besiegelt er sein Vorhaben unfreiwillig mit seinem Blut an einem Ort, an dem vormals Menschen „Etwas“ vergraben haben, das nun wieder erwacht. Viktor nimmt erfolgreich ab, bemerkt aber, dass ihm seidem etwas auf Schritt und Tritt folgt, ihm näher kommt und er sich in seinem Wesen sozusagen abnehmend zunehmend verändert. Er wird aufbrausend, aggressiv und geht Konflikten nicht mehr aus dem Weg, sondern sucht sie sogar. Allerdings stellt er schnell fest, dass er und seine Familie bedroht werden und ehe er den Kampf gegen diese Bedrohung aufnehmen kann, muss er herausfinden, um was es sich genau handelt. Ich selbst lese gerne subtile, dunkle Fantastik und hoffe mit „172,3“ einen stimmungsvollen Gruselroman abgeliefert zu haben. Zumindest wurde es mir beim Schreiben manchmal unheimlich und das deute ich mal als gutes Zeichen oder böses Omen, wie man will.

WW: Wie bist du auf die Idee zu dieser Story gekommen?

VV: … klar, beim Abnehmen! Wir hatten mit unserer damaligen Band eine kleine Tour geplant und ich wollte mich als Frontmann fit machen. Gleichzeitig sind wir auf das Land gezogen und für mich als Städter, der vorher mitten auf dem Kiez in Hamburg gelebt hatte, war diese anfängliche Stille unheimlich. Am Rande unseres Gartens steht ein kleines Wäldchen und ich habe über das Abnehmen in unserem Bandforum ein abgedrehtes Tagebuch geführt, in dem ich der Frage nachgegangen bin, was mit dem verlorengegangen Gewicht eigentlich passiert. Tja, was soll ich sagen. Das beschriebene Wesen wurde jedes Mal Kraft meiner Vorstellung belebt. Immer dann, wenn ich allein im Haus war und der Wind durch die Fichten und Tannen brauste. Ich glaube, als Autor bringt man immer die stärksten Impressionen zu Papier, das war wohl so eine!

WW: Es ist nicht leicht einen Verlag zu finden, vor allem wenn es um Horror geht tun sich plötzlich Gräben auf. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Luzifer-Verlag entwickelt?

VV: Sehr, sehr gut! Ich habe mein Manuskript einer Handvoll Verlagen angeboten und mich dann für den LUZIFER-Verlag entschieden. Klar, am Anfang war ich etwas skeptisch, weil der Verlag neu gegründet wurde und ich nicht wusste, auf was ich mich da einlasse. Aber die Zusammenarbeit mit Steffen Janssen ist wirklich toll. Über das Cover von Timo Kümmel habe ich mich wahnsinnig gefreut und die Bücher der Kolleginnen und Kollegen, die im LUZIFER-Verlag erschienen sind und noch kommen werden, habe ich alle gerne gelesen. Ganz oder fragmentarisch als Leseprobe. Aber klar, das Genre Horror hat es nicht leicht, daher gebührt allen Verlegern, die sich das trauen und damit erfolgreich sind, mein größter Respekt.

Der neue Roman  von Vincent Voss: "172,3"
Der neue Roman von Vincent Voss: „172,3“

WW: Du hast dieses Jahr zusammen mit einigen Bekannten den Blog „Die Loge“ ins Leben gerufen. Was war die Idee dahinter?

VV: Im Horror-Forum haben wir heiß und lang eine Diskussion über den Stand der deutschsprachigen, dunklen Fantastik geführt. Aus dieser Debatte entstand eine kleine Gruppe und in der haben wir alle Ideen gesammelt, wodurch sich dieses Genre stärken lassen könnte. Der Blog war dann unser erster gemeinsamer Schritt. Hier wollen wir eine Plattform für alle Aktivitäten und Akteure der Szene bieten, liebend gern Kräfte bündeln und bestehende Institutionen unterstützen und auf sie verweisen. Wenn wir hiermit Erfolg haben, denken wir über weitere Maßnahmen nach, um den Ruf des Genres attraktiver zu gestalten und es dann bekannter zu machen. Man sieht es ja häufig in seinem eigenen Freundeskreis: Die Bücher, die ich dort empfehle, werden gelesen und gemocht, sodass ich mich gewissermaßen als Buchdealer für besondere Literatur fühle. Nur von selbst hätten sie sich die Bücher nicht besorgt, weil sie nicht davon wussten. Das zu ändern, ist unser Wunsch.

WW: Wird die Horror-Literatur eine Renaissance erleben, so wie in den 80er und 90er Jahren, als Stephen King den Buchmarkt beherrschte?

VV: Nach wie vor beherrscht Stephen King ja das Genre. Das auch zu Recht und auch deutschsprachige Autoren profitieren von ihm, wie ich finde. Zumindest kann man ja heute in Buchläden nach „Horror“ fragen, ohne allzu schief angeschaut zu werden. Aber uns geht es ja um eine Belebung der deutschsprachigen Autorenschaft und ich bin da doch sehr zuversichtlich gestimmt, dass da bald einer kommt, der mal so ein epochales Werk raushaut, wie der Frank Schätzing es mit „Der Schwarm“ für die Science-Fiction geschafft hat, einfach weil es in meinen Augen so viele gute deutschsprachige Autoren in diesem Genre gibt. Dafür drücke ich allen Autoren die Daumen!

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