Wohin dreht sich die Buchwelt 2013, Ernst Wurdack?


Gutenbergs Erben schreiten nicht geordnet, sondern taumeln geradezu ins digitale Zeitalter – auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse war allenthalben von ‚Krise‘ und ‚Ratlosigkeit‘ angesichts von Themen wie Urheberrechtsreform oder eBooks die Rede. Der Ausblick aufs kommende Jahr ist für die Branche ungewiss. Wird das gedruckte Papier (ja gar die Verlagswelt selbst) weiterbestehen oder durch neue Medien und neue Player ersetzt, werden gestandene Bestsellerautoren von unbedarften No-Names auf dem digitalen Marktplatz verdrängt? Was sind die Inhalte von morgen? Die Auguren des Feuilletons und des Börsenvereins finden im Kaffeesatz keine Antworten mehr auf diese Frage. Jetzt sollen die Macher selbst (Autoren, Verleger, Medienprofis, Herausgeber) hier auf Wortwellen zumindest ihrem (professionellen) Bauchgefühl Ausdruck verleihen und einen Blick in die Zukunft riskieren …

Die neue Interview-Reihe auf Wortwellen
Die neue Interview-Reihe auf Wortwellen

 

Heute: Ernst Wurdack, Verleger Phantastischer und anderer Geschichten (Wurdack-Verlag)

Ernst Wurdack
Ernst Wurdack

WW: Welche grundlegenden Veränderung erwartest du in der Buchbranche 2013?

EW: Der Anteil der eBooks wird langsam aber stetig zunehmen. In manchen Segmenten wird das eBook das gedruckte Buch möglicherweise schon bald verdrängen. Im Printbereich werden die großen Verlage stärker unter Druck geraten als kleine Verlage, da ihnen durch den Rückbau der Verkaufsflächen bei den großen Buchhandelsketten ihre bisherigen Präsentationsmöglichkeiten zum Teil verloren gehen. Kleine und mittlere Verlage haben andere Vertriebsschienen und sind von dieser Entwicklung nicht so sehr betroffen.

WW: Worauf müssen sich die Verlage einstellen?

EW: Sie werden schnell auf sich verändernde technische Entwicklungen reagieren müssen, wenn sie langfristig überleben wollen. Und sie werden bei gedruckten Büchern mit spitzem Stift kalkulieren müssen, welcher Titel sich bei abnehmenden Printauflagen noch rechnet.

WW: Welche Chancen siehst du?

EW: Ein kleiner Verlag wie der meine kann – genau wie selbstverlegende Autoren – eigentlich nur von der derzeitigen Entwicklung profitieren. Unsere Titel werden durch die eBooks für Leser sichtbar, die wir über den Buchhandel niemals erreichen könnten, was auch unsere Absätze im Printbereich steigen lässt. Einen Titel als Print, eBook und Hörbuch gleichzeitig herauszugeben, ist DIE Chance für Verlage oder Verlagskooperationen, die spezielle Themenkreise bedienen.

WW: Welche Gefahren siehst du?

EW: Die größte Gefahr sehe ich in der einseitigen Ausrichtung von Verlagen und Autoren auf eBooks und Social Media. Auch wenn uns Facebook und sonstige soziale Netzwerke vorgaukeln möchten, alles liefe nur noch auf dieser Schiene und wer nicht an Bord ist, wird untergehen, so muss ich doch eindeutig feststellen, dass Werbemaßnahmen und Veranstaltungen im realen Leben um ein vielfaches effektiver sind als im Web. Etliche der ganz großen Konzerne (nicht Verlage, sondern Industrie) reagieren bereits und fahren ihre Budgets für Social Media Auftritte dramatisch herunter.

WW: Welches Projekt willst du 2013 unbedingt realisieren?

EW: Mitte 2013 erscheint mit Band 32 der letzte Band der Mark Brandis Reihe. Dieses Mammutprojekt läuft nun seit 4 Jahren sehr erfolgreich und hat sich zur tragenden Säule meines Verlages entwickelt. Und wenn etwas vollendet ist, dann wird es Zeit, etwas Neues auf die Beine zu stellen. Aber es ist noch zu früh, darüber zu sprechen.

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Über Ernst Wurdack:

Ernst Wurdack ist Verleger und Inhaber des  2004 gegründeten Wurdack-Verlags mit Sitz in Nittendorf bei Regensburg.  

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