Wohin dreht sich die Buchwelt 2013, Torsten Low?


Gutenbergs Erben schreiten nicht geordnet, sondern taumeln geradezu ins digitale Zeitalter – auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse war allenthalben von ‚Krise‘ und ‚Ratlosigkeit‘ angesichts von Themen wie Urheberrechtsreform oder eBooks die Rede. Der Ausblick aufs kommende Jahr ist für die Branche ungewiss. Wird das gedruckte Papier (ja gar die Verlagswelt selbst) weiterbestehen oder durch neue Medien und neue Player ersetzt, werden gestandene Bestsellerautoren von unbedarften No-Names auf dem digitalen Marktplatz verdrängt? Was sind die Inhalte von morgen? Die Auguren des Feuilletons und des Börsenvereins finden im Kaffeesatz keine Antworten mehr auf diese Frage. Jetzt sollen die Macher selbst (Autoren, Verleger, Medienprofis, Herausgeber) hier auf Wortwellen zumindest ihrem (professionellen) Bauchgefühl Ausdruck verleihen und einen Blick in die Zukunft riskieren …

Die neue Interview-Reihe auf Wortwellen
Die neue Interview-Reihe auf Wortwellen

 

Heute: Torsten Low, Verleger von phantastischen Geschichten und Romanen

Torsten Low
Torsten Low

WW: Welche persönlichen Veränderung erwartest du 2013?

TL: Wenig. Wir machen nach wie vor das, was wir am besten können. Wir machen gute Bücher. Und wir starten voll mit EBooks, auch wenn der EBook-Markt immer noch in den Kinderschuhen steckt.
Ansonsten wird es sicherlich trotzdem spannend bleiben – denn das „Tagesgeschäft“ – die Arbeit mit den Autoren, das Gedanken sammeln mit den Herausgebern, die Diskussionen mit den Grafikern – ist nie langweilig.

WW: Worauf müssen sich Verleger 2013 einstellen?

TL: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube nicht daran, dass das EBook 2013 nun endlich den Durchbruch schafft. Wir stehen im Jahr 13 der E-Reader und im Jahr 26 des EBooks – und bisher gab es keine nennenswerten Umsätze. Aber ganz vernachlässigen kann man diesen Markt eben auch nicht.
Auf jeden Fall sollten Verleger fair mit ihren Autoren umzugehen (wenn sie es nicht eh bisher schon tun). Denn nur, wenn Autoren das Gefühl haben, dass Verlage sie wertschätzen und nicht nur ausnutzen, werden sie auch weiterhin mit Verlagen zusammenarbeiten. Autoren haben heute mehr Möglichkeiten, als noch vor 10 Jahren.

WW: Welche Chancen siehst du?

TL: Es ist eine gute Zeit für Kleinverlage. Die beste Zeit, sich abseits des Mainstreams zu positionieren, neues auszuprobieren und auch mal ganz andere Felder zu beackern.
Wir haben beispielsweise für 2013 ein für uns komplett neues Medium eingeplant – und was ich da bisher als Vorschau von den Künstler zu sehen bekommen habe, hat mein Leser- und mein Verlegerherz höher schlagen lassen.

WW: Welche Gefahren siehst du?

TL: Ich befürchte weder das große Verlagssterben noch ein Aussterben des Buches in gedruckter Form. Allerdings wird es – bedingt durch die immer risikofreieren und billigeren Möglichkeiten des Selbstverlages – eine Schwemme an billigen Texten geben.
Hier müssen Verlage sich deutlich abheben, müssen das leisten, was die Masse der Indieautoren nicht stemmen kann: Vernünftiges Cover, gutes Lektorat, anständiges Korrektorat, gute Werbung. Und sie müssen sich klar positionieren. Wenn die Zielgruppe weiß, was sie von einem Verlag genau erwarten kann, wird sie es auch bei ihm kaufen.

WW: Welches Projekt willst du 2013 unbedingt realisieren?

TL: Oh, da wären einige. Auf jeden Fall dieses bereits erwähnte Projekt, welches für mich ein absolutes Herzensprojekt darstellt. Obwohl – das ist eigentlich nicht richtig. Alle Projekte, die ich mache, sind absolute Herzensprojekte. Wenn ich bei einem Projekt auch nur den Hauch des Zweifels habe, mache ich es nicht. Ich muss es von der ersten Sekunde an lieben, muss wissen, dass es einfach nur megageil ist. Ansonsten kann ich es sein lassen.
Aber dieses eine möchte ich auf jeden Fall fertigstellen – weil ich damit in einen ganz anderen Markt zu einer ganz anderen Zielgruppe vorstoßen werde.
Und ich möchte Anfang des Jahres unbedingt Cecille Ravencrafts 2. Roman bringen. Aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen werden wir dieses Buch leider nicht mehr dieses Jahr herausbringen können. Aber Anfang des nächsten Jahres muss, MUSS die Fortsetzung zu „Im Zentrum der Spirale“ einfach kommen.

Im Zeichen der Spirale - Torsten Low Verlag
Im Zeichen der Spirale – Torsten Low Verlag

————————————

Über den Verlag Torsten Low:

Der Verlag wurde von Torsten und Tina Low als Verlag mit dem Schwerpunkt Phantastik gegründet. Ursprünglich ein reiner Selbstverlag konzipiert. In den vergangenen Jahren kamen viele weitere Autoren hinzu.