t=E/x² oder ohne Kohle durch die Zeit


"t=E/x²": Zeitreise ohne Kohle?
„t=E/x²“: Zeitreise ohne Kohle?

In Deutschland entstehen leider viel zu wenig Genrefilme. Das Fernsehen traut sich an Themen wie Science-Fiction und Fantasy nicht heran und fürs Kino wird ohnehin nicht viel produziert. Dabei sind die Möglichkeiten mit geringerem Budget tolle Filme zu machen, heute größer als je zuvor„, heißt es auf der Crowdfunding-Seite (Startnext) des Filmprojekts: t=E/x². Wie wahr. Doch wie ein Projekt dieser Größe anstoßen, wenn kein hinlängliches Budget zur Verfügung steht?

t=E/x² - Zeitreise-Spielfilm mit Jasmin Wagner und Mario Ganß
t=E/x² – Zeitreise-Spielfilm mit Jasmin Wagner und Mario Ganß

Wortwellen sprach mit Andreas Z Simon, Regisseur des Projekts, über die Probleme und die Technik hinter Phantastischen Filmen aus Deutschland:

WW: Bei Zeitreise-Filmen denkt man unweigerlich an Hollywood und Big-Budget. Ihr habt beides nicht. Wie wollt ihr dieses Projekt jemals realisieren?

AZS: Wie Yoda schon sagte: „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“ Wir haben eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden und das werden wir tun. Dabei hilft uns zunächst, dass Filmemachen generell nicht mehr so teuer ist, wie es früher mal war. Und ja, es ist eine Zeitreise-Geschichte, allerdings reisen unsere Protagonisten nicht ins Jahr 3000 und auch nicht in die Zeit der Dinosaurier zurück. Wir werden eine Geschichte erzählen, die natürlich auch möglich ist, mit unserem begrenzten Budget erzählt zu werden.

WW: Wer hatte die Idee zu dem Film?

AZS: Das war dann wohl ich. In den letzten Jahren habe ich viele Musikvideos gemacht und oft kam beim Team dann der Gedanke auf, wieso wir nicht unsere Fähigkeiten und technischen Möglichkeiten nutzen, um mal einen wirklichen Spielfilm zu realisieren. Und genau das tun wir jetzt. Das Drehbuch entstand bereits vor 2 Jahren und wurde mehrfach umgeschrieben. Aus einer anfänglich sehr einfachen Idee, wurde langsam eine immer komplexere Geschichte. Komplizierter in der Umsetzung – aber sich auch besser.

Andreas Z. Simon
Andreas Z. Simon

WW: Nun haben phantastische Filme dummerweise die Angewohnheit F/X-Shots zu benötigen. Wie wollt ihr diese Specialeffects realisieren?

AZS: Ich bin natürlich großer Fan von Fantasy- und Sci-Fi-Filmen und viele dieser Filme ziehen ihren Unterhaltungswert vor allem aus ihren Effekt-Aufnahmen. Ich denke aber nicht, dass das grundsätzlich so sein muss. Vor 10 Jahren habe ich mal einen Kurzfilm gemacht (http://youtu.be/N0tp1PbIbEA), der ganz gut zeigt, wie ich mir eine fantastische Geschichte auch vorstellen kann. Da liegt die Fantasy eher unterschwellig und wird als Mittel genutzt, um unsere Vorstellung der Realität in Frage zu stellen. Das finde ich manchmal viel interessanter, wie eine Aneinanderreihung von Spezialeffekten. Ich denke, man kann auch Geschichten innerhalb der Fantastik erzählen, ohne dass es dafür Drachen, Orks, Raumschiffe oder Laserschwerter braucht. Letztlich ist es doch die Geschichte, die einen packt, oder eben nicht.

WW: Welche Software wird hierbei verwendet?

AZS: Der Film wird auf einem Avid-Symphony-System geschnitten und für einige Sequenzen werden wir sicher auch mit After Effects arbeiten. Aber in der Postproduktionsphase sind wir noch nicht und letztlich ist es ja auch wichtiger, wer die Programme bedient.

WW: Mit welcher Kamera arbeitet ihr?

AZS: Wir drehen mit unterschiedlichen Kameras, je nach dem Look, den wir in einer bestimmten Szene erreichen wollen. Wir haben Teile des Films ganz simpel auf der Canon 5D gedreht, verwenden für den Hauptteil jedoch die Canon C300. Es wird aber auch noch eine spezielle Highspeed-Kamera zum Einsatz kommen.

WW: Wenn das Geld für t=E/x² zusammenkommen sollte, wie wird sich dann der weitere Ablauf gestalten?

AZS: Momentan versuchen wir mittels Crowdfunding zumindest Teile des Films zu finanzieren. Die Dreharbeiten haben bereits begonnen, zurzeit trage ich alle Kosten selbst. Die Crowdfunding-Kampagne soll das etwas entlasten. Natürlich ist der Betrag von 7777 Euro, den wir dort sammeln, rein fiktiv und entspricht bei Weitem nicht dem, was der Film am Ende wirklich gekostet haben wird. Aber es ist eine Hilfe und wir können einfach schneller weitermachen. Sollten wir sogar mehr Geld sammeln können, als unbedingt nötig, werden wir auch dieses Geld natürlich voll in den Film stecken. Es gibt da eine Szene, die wir total gerne etwas aufwändiger gestalten wollen würden, wenn es uns das Budget erlauben würde.

WW: Was bekommen die Leute für ihr eingesetztes Geld?

AZS: Zunächst mal bekommt man die Gewissheit, diesem Film bei seiner Entstehung geholfen zu haben. Und dann gibt es noch kleine Geschenke als Dankeschön von uns: Eine DVD des Films, einen Tag am Set mit dabei sein, eine Einladung zur Premiere usw… Eine vollständige Liste gibt es bei www.startnext.de/tex

Darüber hinaus kann man aber auch Investor werden. Wer wirklich an das Projekt glaubt, kann einen bestimmten Geldbetrag investieren und macht mit mir einen Vertrag darüber, dass er später an den Einnahmen beteiligt wird und so sein Geld theoretisch verdoppeln kann. Das läuft jedoch nicht über eine Website, sondern nur im persönlichen Kontakt zu mir. Aber ist vielleicht ja mal eine andere Form der Geldanlage…