Oliver Plaschka im Gespräch


Im internationalen Vergleich gelten deutschte Phantastikautoren grundsätzlich als ebenso spröde, blutarm und szenisch ungeschickt wie eine Tatort-Episode im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Mag sein, dass das nicht ganz gelogen ist (das mit den Autoren), es geht aber auch ganz anders. Oliver Plaschka ist eine der vielversprechensten Hoffnungen hierzulande, wiewohl noch ein Geheimtipp. Er beweist aber problemlos, dass man wirklich tolle Geschichten in einem auf Massengeschmack ausgerichteten Publikumsverlagsmarkt erzählen kann, ohne sich anzubiedern (okay, okay, die „Hobbit-Presse“ ist natürlich anders als die anderen und sowieso genial und deswegen eh sakrosankt).

Oliver Plaschka - (c) Klett-Cotta, Foto Marijan Murat, Stuttgart
Oliver Plaschka – (c) Klett-Cotta, Foto Marijan Murat, Stuttgart

WW: Nach „Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Barthlolomew“ und „Die Magier von Montparnasse“, betrittst du nun mit deinem neuen Roman „Das Licht hinter den Wolken“ die Welt der epischen Fantasy. Was war das für eine Erfahrung?

OP: Es hat Spaß gemacht. Die Zeit, die ich insbesondere bei den „Magiern“ oder dem „Kristallpalast“ mit Recherche verbracht hatte, habe ich diesmal fürs Kartenzeichnen, Listen erstellen und Plotten gebraucht. Etwas gewöhnungsbedürftig war anfangs auch, dass in einem Fantasyroman ja gekämpft wird, und fast jede der Figuren so gesehen in ihrem Leben schon Schlimmeres erlebt und getan hatte als die meiner anderen Bücher. Dafür hat man auf einmal eine sehr weite Welt um sich herum, und muss die Magie nicht in versteckten Winkeln suchen – sie ist die ganze Zeit da.

WW: Wie konzipiert man einen breitgefächerten Roman mit einer Länge von 686 Seiten im Vergleich zu einem Roman wie „Die Magier von Montparnasse“, der mit wenigen Protagonisten an einem ganz begrenzten Ort spielt? Wie ändert sich dabei die Herangehensweise?

OP: Das war echt harte Arbeit … muss man so sagen! Ich habe zwar sehr von den Erfahrungen beim „Kristallpalast“ profitiert, wo ich dank meiner Co-Autoren zum ersten Mal mit einem vernünftigen Szenenplan gearbeitet hatte – leider haben viele der Lösungen von damals nicht auf die Probleme von heute gepasst. Wer sich all die ganzen Skizzenstapel, Whiteboard-Entwürfe usw. mal anschauen mag, ich habe das alles in meinem Blog-zum-Buch dokumentiert: http://navylyn.rainlights.net
Viele der wichtigen Passagen (wie das Ende) waren jedenfalls minutiös geplant, auch den Anfang habe ich sehr häufig umgestellt, bis ich mit der Reihenfolge glücklich war. Im Mittelbau habe ich mich dagegen auch manchmal eine Weile treiben lassen und länger einem einzigen Handlungsstrang gewidmet. Insgesamt bin ich nicht so chronologisch vorgegangen wie bei den „Magiern“. Es gab immer mehrere „Baustellen“ an verschiedenen Ecken und Enden.

WW: Viele deutsche Autoren tun sich unheimlich schwer, eigene Weltentwürfe mit eigenen Völkern zu verkaufen. Viele Verlage erwarten Geschichten mit Zwergen, Orks und Elfen. Wie sehr musstest du um „deine“ Welt kämpfen, damit sie eine typische „Oliver Plaschka“-Welt bleiben konnte?

OP: Zum Glück überhaupt nicht, und das liegt sicher auch an meinem Verlag. Klett-Cotta hat mit Tolkien ja quasi das „Original“ im Haus – da können sie schlecht auch noch tolkieneske Fantasy nebenher laufen lassen. Wollen sie auch nicht, und dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Die Kämpfe habe ich eher mit mir selbst ausgetragen. In der Welt des Romans stecken noch große Teile meiner alten Rollenspielwelt, und dort gab es natürlich Elfen, Zwerge und Co., weil man für ein Projekt im Freundeskreis meist nicht gleich das Rad neu erfindet. Es gab aber auch schon Faune, Timei, und andere Völker. Im Endeffekt habe ich mich dann gefragt, wie wäre denn das Feeling der Welt, wenn ich einfach alle anderen rauswerfe? Ich gestehe, dass ich für die Elfen dann doch eine „Stellvertreterkultur“ gebraucht habe, mit allem anderen war ich aber sehr glücklich.

WW: Christoph Hardebusch nennt dich (zu Recht) einen „Meister der poetischen Sprache“. Dabei beweist eine Vielzahl deutscher Fantasy-Autoren, dass es auch anders, einfacher geht. Warum ist dir die Qualität der Schreibe dennoch so wichtig?

OP: Meine Schreibe ist, wie sie ist. Bis zu einem gewissen Grad kann ich sie zwar „rauf“ oder „runter“ fahren, und ich spiele auch gern mit verschiedenen Registern. Aber im Großen und Ganzen könnte ich glaube ich einfach nicht anders schreiben. Ich habe zwei Arten zu lesen: Entweder quer, nur auf Inhalt, oder Wort für Wort, wenn mich die Sprache gefangen nimmt. Und ich habe ehrlich keine Ahnung, wie man Bücher schreibt, die auf die erste Art gelesen werden.

WW: Du hast – literarisch gesehen – bisher ganz verschiedenartige Werke verfasst. Bleibt Oliver Plaschka in Zukunft der epischen Fantasy treu, oder wird er andere Welten erkunden? 

OP: Danke für diese Frage – meistens wird nämlich alles, was „irgendwie Fantasy“ ist, in einen Topf geworfen. Dabei bin ich selbst der Ansicht, dass (mit Ausnahme der „Magier“ und des „Kristallpalasts“ vielleicht) meine Bücher so unterschiedlich sind wie Tag und Nacht.
Ich gebe dir eine ganz ehrliche Antwort: Das kommt auf den Erfolg des neuen Buchs an. Die Welt, die ich für das „Licht“ ausgearbeitet habe, lässt noch eine Menge anderer Geschichten zu. Zwei davon habe ich in groben Zügen bereits skizziert (keine Fortsetzungen, sondern eigenständige Geschichten). Ich gehe aber auch mit zwei anderen Projekten schwanger, die mich wieder in ganz andere Gefilde führen würden. Welches dann tatsächlich als nächstes geschrieben wird, entscheidet sich vielleicht schon im Laufe des Jahres. Ich habe es aber auch nicht schrecklich eilig. Jetzt ist erst mal das „Licht“ an der Reihe. Und dann kommt eine Kurzgeschichtensammlung, auf die ich mich schon lange freue.

Das Licht hinter den Wolken
Das Licht hinter den Wolken

„Das Licht hinter den Wolken“ erscheint am 14. März 2013 bei Klett-Cotta.

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