Carsten Steenbergen im Gespräch


Teufelsacker von Carsten Steenbergen
Teufelsacker von Carsten Steenbergen

Der Schriftsteller Carsten Steenbergen kommt aus Mönchengladbach, ist im Brotjob Softwarebetreuer und Programmierer. Literarisch ist er ziemlich vielseitig und in allen Medienformen (Print, Onlineroman, eBook, Hörbuch und Hörspiel) bewandert. Gerade eben hat er seinen ersten Printroman bei ‚Feder & Schwert‘ veröffentlicht und ist aktuell für den Kurt-Laßwitz-Preis nominiert.

Autor Carsten Steenbergen
Autor Carsten Steenbergen

WW: Wow! Nominiert für den Kurd-Laßwitz-Preis (für die Kurzgeschichte „Im Auftrag der Krone“), den Debutroman „Teufelsacker“ frisch aus der Druckerpresse und mehrere Veröffentlichungen dieses Jahr in Anthologien. Ist 2013 das Jahr des großen Durchbruchs für Carsten Steenbergen?
CS: Die Nominierung zum Kurd-Laßwitz-Preis hat mich sozusagen kalt erwischt.
Natürlich hatte ich schon vorher von diesem Preis gehört und mir war auch klar, dass Steampunk unter anderem als Histo-SciFy angesehen wird. Mit „Im Auftrag der Krone“ für einen renommierten Science Fiction Preis nominiert zu werden, war dennoch eine ziemliche Überraschung und Ehre gleichsam. Vor allem, weil ich mir schon lange vorgenommen hatte, endlich einmal eine waschechte SciFy-Geschichte zu Papier zu bringen. Ob es in diesem Jahr bei der starken Konkurrenz tatsächlich für einen 1. Platz reichen wird, ist abzuwarten. Ich freue mich so oder so über die Nominierung. Und natürlich darüber, dass eine Steampunk-Story eine solche Nominierung eingefahren hat.
Es passiert wahnsinnig viel in diesem Jahr, das stimmt. Die vielen Veröffentlichungen sind allerdings ein wenig „aufgelaufen“. Ein Teil davon war eigentlich für 2012 vorgesehen. Aufgrund zeitlicher Verschiebungen, auf die ich keinen Einfluss hatte, kommen sie daher in 2013 gehäuft. Nichts desto trotz ist es ein wahnsinnig tolles Erlebnis, so viele meiner Geschichten, allen voran natürlich mein Debütroman „Teufelsacker“, in den Händen halten zu dürfen und die Reaktionen der Leser zu erfahren. Ob das jetzt unbedingt als großer Durchbruch zu werten ist, wage ich doch zu bezweifeln. Aber es ist ein Anfang.

WW: Deine literarischen Wurzeln fußen interessanterweise nicht im Printbereich, sondern – Überraschung! – im Hörbuch und im Hörspiel. Wie bist du dazu gekommen und wieso bist du nun beim Gedruckten gelandet?
CS: Im Grunde war das eine parallele Entwicklung. Meine erste Kurzgeschichte habe ich 2006 veröffentlicht, ein Märchen, das ich damals für einen guten Freund geschrieben hatte. Diverse weitere Kurzgeschichten für unterschiedlichste Anthologien und Kulturprojekte folgten, wie auch eine eigene Webseite. Auf die ist dann ein Label aufmerksam geworden, das gerne phantastische bzw. schaurige Hörspiele produzieren wollte und hierfür einen Autor suchte. Zack – und schon war ich Hörspiel-Autor und durfte anschließend für verschiedene Labels Hörspiele und Hörbücher verfassen. Und darf das auch weiterhin tun.
Als damit die Schreiberei ernsteren Charakter bekam, suchte ich Kontakt zu der Literatur-Agentur Schmidt&Abrahams und wurde dort unter Vertrag genommen. Tatsächlich mit dem Roman „Teufelsacker“, der dann jetzt Ende 2012 endlich erschienen ist. Auf mich wirkt das manchmal wie eine Verkettung sehr glücklicher Umstände. Spaß hat das trotzdem gemacht.

Der Pilwitz
Der Pilwitz

WW: Zusammen mit den beiden Autoren Stephan und Tom Orgel arbeitest du am Projekt ‚Steamtown‘. Was muss man sich darunter vorstellen und wie geht die Zusammenarbeit vonstatten?
CS: „Steamtown“ ist im ursprünglichen Sinne eine Fortsetzungsgeschichte im Genre „Steampunk“, die wir drei zusammen in 2009 im Internet veröffentlicht haben. Dreimal die Woche, über sechs Monate am Stück, haben wir je ca. 1.000 Wörter und damit einen vollständigen Roman rausgehauen und das im Discovery-Writing-Stil. Heißt, jeder von uns hatte eine Figur, wir hatten einen Anfang und ein Ende, und was dazwischen passierte, das war im Grunde ein großes Abenteuer. Mit dem wir eine große Menge an Leser begeistern konnten. Ein absolutes Herzensprojekt kann man sagen.
In diesem Jahr werden wir endlich die ersten Kapitel als Hörbuch veröffentlichen, mit einem genialen Detlef Tams als Sprecher, untermalt mit der atmosphärischen Musik von Erdenstern.
Mittlerweile arbeiten wir jetzt schon seit gut fünf Jahren zusammen und schaffen das Ganze auf eine recht lockere, unkomplizierte Art, die ich persönlich großartig finde. Wir ergänzen uns dabei recht ordentlich.

WW: Die beiden Orgels haben gerade den Sprung in den von vielen Autoren ersehnten Publikumsverlagsbereich geschafft, mussten dafür aber ihr bereits bestehendes Romankonzept überarbeiten und auf Orks und Zwerge münzen. Wie weit würdest du gehen, um einen Deal mit einem großen Verlag abzuschließen?
CS: Ein wenig ist das eine Gratwanderung, könnte man sagen. Zum einen genieße ich den (zweifelhaften) „Luxus“, nicht vom Schreiben leben oder meine Familie ernähren zu müssen. Das gibt mir für meine eigenen Projekte eine große Bewegungsfreiheit, die aber ab und zu dazu führt, dass es trotz spannender Ideen nicht zu einer Print-Veröffentlichung kommt. Die Wünsche des Autors und des Verlags gehen mitunter recht unterschiedliche Wege.
Zum anderen möchte man als Autor selbstverständlich gelesen werden. Und das geht am besten (wenn man die Indie-eBooks einmal außen vor lässt) über die Verlage (bzw. orientiert sich gewissermaßen am Markt). Mit meiner Agentur versuche ich daher Projekte zu entwickeln, die sowohl dem entgegen kommen, was die Verlage anfordern, als auch mit meinen eigenen Schreibvorstellungen vereinbar sind. In erster Linie würde ich daher immer zunächst versuchen, meine eigenen Ideen einzubringen und zu veröffentlichen. Selbst bei einer Auftragsarbeit kann man vieles beisteuern, sofern nicht ein vorgesetztes fertiges Exposé bereits alles bestimmt. Wie weit ich da gehen würde, hängt sicherlich vom Einzelfall ab.

2012 als eBook erschienen: Tiefes Land
2012 als eBook erschienen: Tiefes Land

WW:  Wie stehst du zum Thema eBooks, Indie-Autoren und Selfpublishing?
CS: Grundsätzlich erst einmal positiv. Die Möglichkeiten, heutzutage Geschriebenes zu veröffentlichen, haben sich innerhalb kürzester Zeit vervielfältigt und bieten die Chance für jedermann, auch ohne den Markt Bücher und „Perlen“ an den Leser zu bringen, die sonst nie das Licht der Welt erblickt hätten. Was nun auch in aller Breite geschieht. Allerdings birgt diese Freiheit auch eine Schattenseite: Mangelnde Qualität. Die Daseinsberechtigung eines Verlags liegt ja nicht allein in der Veröffentlichung. Auswahl des richtigen Covers, Lektorat, Korrektorat etc. sind wichtige Bestandteile, die im Grunde auch ein Indie-Autor leisten müsste, wenn er erfolgreich veröffentlichen will. Der Markt ist schließlich nicht leichter, sondern eher schwieriger geworden. Aber ich glaube, dass sich das mit der Zeit regulieren wird. Schon jetzt gibt es Bestrebungen, Gütesigel und Qualitätsmerkmale für Indie-Publikationen zu schaffen, die es dem Leser erleichtern könnten, guten Lesestoff von weniger gutem zu unterscheiden. Ich blicke da ziemlich hoffnungsvoll in die nähere Zukunft. Immerhin ist eBook nicht mehr wegzudenken, auch wenn es das gedruckte Buch vermutlich nicht so schnell verdrängen wird.

WW: Obwohl du allgemein in der Szene als Phantastik-Autor gehandelt wirst und ‚Feder & Schwert‘ traditionell ebenfalls der Fantasy verpflichtet ist, ist dein Debutroman „Teufelsacker“ keine Fantasy. Wovon handelt der Roman und zu welchem Genre gehört er?
CS: Heinrich, der etwas verwöhnte Sohn des örtlichen Landvogts wird im Jahr 1256 in der Abtei zu Gleidebach auf seine späteren Aufgaben vorbereitet: Latein, Schreiben, etwas Mathematik und Politik. Also alles, was ihm gerade eigentlich am wenigsten Spaß bereitet. Als Katharina, die Tochter des Bauern Bruno, für die er heimliche Gefühle hegt, mit einer schrecklichen Nachricht und einem Hilfegesuch zur Abtei kommt, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es sich dabei um einen leibhaftigen Korngeist/Dämon handelt, der auf brutale Art und Weise Menschen umbringt. Je mehr er sich einbringt, desto tiefer wird er in eine unglaubliche Verschwörung verstrickt, die Jahrhunderte zurückreicht. Schließlich muss er nicht nur um Katharinas Leben kämpfen, sondern die ganze Ortschaft vor einem tödlichen Unheil bewahren. Es geht also ordentlich zur Sache.
Als „Fantasy“ im klassischen Sinne kann man den Roman also tatsächlich nicht einordnen. Eher als Genre-Mix: Mittelalter-Roman mit Detektivstory-Elementen (vergleichbar mit „Der Name der Rose“) plus einem ordentlich Anteil an Mystik bzw. Horror.

WW: Was dürfen wir in Zukunft von Carsten Steenbergen erwarten? Woran arbeitest du gerade?
CS: Da ich mich nur ungern auf ein bestimmtes Genre festlege, arbeite ich aktuell an mehreren „Fronten“. Zum einen startet voraussichtlich in diesem Jahr ein größeres Hörspiel-Projekt mit Detektiv-Geschichten für Kinder und Jugendliche, zum anderen steht bei mir gerade eine Thriller-Serie auf dem Plan. Dazu, ohne wäre es ja auch irgendwie einseitig, liegt zur Zeit ein Phantastik-Konzept bei den Verlagen, das ich gerne zwischen zwei Buchdeckel packen würde.
Ein skurriles Roadmovie und auch etwas in Richtung Trash-Humor geistert unter meiner Schädeldecke umher. Mal sehen, wann sich das endgültig zu Wort meldet. Ich kann mich also über Langeweile nicht gerade beklagen.

2 thoughts on “Carsten Steenbergen im Gespräch”

  1. Hi Sean,
    kleine Ergänzung vom älteren Orgel-Bruder hier. Deine Fragestellung könnte missverstanden werden. Wir „mussten“ unser bereits bestehendes Konzept nicht direkt „ummünzen“.

    Wir haben eine tatsächlich bei uns bereits bestehende Grundidee mit gewissen Vorstellungen und Wünschen des Verlages zu etwas verknüpft, aus dem dann eben Orks vs. Zwerge entstanden ist und dafür ein anderes, in Arbeit befindliches Projekt zurückgestellt. Das hat aber nichts mit „weit gehen“ zu tun.

    Ich denke, als Autor hat man nicht nur eine Idee, sondern in der Regel einen ganzen Pool davon. Und eine ganze Reihe dieser Ideen funktionieren in mehreren „Settings“. Es gibt Geschichten, die man ebensogut als Science Fiction, als Fantasy-Geschichte, als modernen Thriller oder sogar als Western erzählen kann, ohne dass sie ihren Kern verlieren. Allerdings hat eben manche Geschichte, ein bestimmtes Setting oder sogar eine bestimmte Erzählweise eine bessere Chance, veröffentlich zu werden, als die anderen im Pool.

    Und ich denke, es ist kein Fehler, wenn man sich als Autor dazu entscheidet, den Projekten einen Vorrang zu geben, die die größte Aussicht haben, auch veröffentlicht und gelesen zu werden. Damit „verbiegt“ oder „verkauft“ man sich aber noch lange nicht.
    Im Gegenteil – wenn alles gut geht, dann eröffnet man auch anderen, zu diesem Zeitpunkt vielleicht nicht ganz so massentauglichen Projekten in der Zukunft eine bessere Chance auf Veröffentlichung. Denn schließlich wollen wir ja nicht einfach nur „ein Buch schreiben“ sondern „Bücher schreiben“. Möglichst mehrere. Die nach Möglichkeit auch von vielen Leuten gelesen werden. Das wollen vermutlich die meisten Autoren.

    Das bedeutet aber nicht – und das ist ganz wichtig – dass man sich zwingt, etwas zu schreiben, das man gar nicht will. Man schreibt eben von den vielen Sachen, die man schreiben will, das, das die größten Chancen hat, gelesen zu werden.😉

    Was Carsten ja letztlich genauso sieht.

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