Ju Honisch auf Blogtour


Die Quellen der Malicorn
Die Quellen der Malicorn

Ju Honisch is back! Ihr neuer Roman „Die Quellen der Malicorn“ entführt den Leser in die sagenhafte Welt der Einhörner. Ju war so freundlich für Wortwellen einen Gastbeitrag (im Rahmen ihrer aktuell stattfindenden Blogtour) zu verfassen. Herzlichen Dank dafür und Bühne frei für Ju Honisch:

Irland. Manche Länder vermitteln schon mit ihrem Namen ein Image von alten Sagen, intensiver Musik, dunklem Bier und einer gewissen Leichtigkeit des Seins – selbst wenn es regnet. Andere Länder schaffen das weitaus weniger erfolgreich. Nehmen wir z.B. Bayern: gutes Bier? Check. Leichtigkeit des Seins? – Eher nicht.
Als ich noch  in der Schule war (in Bayern übrigens), lernte ich meine erste „Keltin“ kennen. Renée war eine Klasse über mir, und sie war Bretonin, Renée LeBras. Ihr  verdanke ich, dass sich die Welt der Kelten mir als das mythische, mystische Reich eröffnete, das es für mich und für viele andere ist. Ich verliebte mich damals darin, ohne noch dort gewesen zu sein.

Ju Honisch - Autorin phantastischer Romane
Ju Honisch – Autorin phantastischer Romane

Inzwischen war ich oft dort, habe auch mal eine Weile in der Grafschaft Kerry gelebt und gearbeitet und während meines Studiums versucht, die gälische Sprache zu erlernen. Es gab da einen Kurs bei den Vergleichenden Sprachwissenschaftlern an der Uni München, einmal die Woche bei Lilo, dem Sprachwunder: feinstes „cois fharraige gaeilge“.  – Viel kann ich allerdings nicht mehr. Aber es reicht, um ein Bier zu bestellen und übers Wetter zu reden.
Una, die Heldin des Romans  „Die Quellen der Malicorn“ kommt aus unserer Welt und wird nach Talunys, eine mythische Welt jenseits der unseren, verschleppt. Tatsächlich hätte sie von überall her verschleppt werden können, doch ich habe mir Irland (Co. Clare) als  Ausgangspunkt ausgesucht.
Warum? Una ist nicht einmal Irin. Sie ist Touristin.

St. Canniceswell
St. Canniceswell

Irlands Mythen scheinen einem auf der Insel immer noch lebendig. Wer durch die wilden Landschaften fährt, spürt die Verbindung zum Sagenhaften. Dieses Land sieht nicht aus, als hätte ein Dutzend Gebietsreformen es in ein quadratisch-praktisches einundzwanzigstes  Jahrhundert  gezerrt. Vielmehr wirkt die Landschaft archaisch, verwittert, eingewachsen, und man fühlt die Geheimnisse, die hinter den Steinen lauern und in den efeubewachsenen Bäumen der Entdeckung harren.
Aus dem Füllhorn der irischen Sagen und Mythen habe ich für „Die Quellen der Malicorn“ zwei Aspekte herausgegriffen. Nur zwei. (Es muss ja noch etwas übrigbleiben für weitere Bücher.) Da sind einmal die Quellen, die es bis in den Titel geschafft haben.
„Heilige Quellen“ werden sie heute genannt, denn das Christentum hat sie sich einverleibt, wie es das stets gern mit Dingen tat, die sich sonst nicht ausmerzen ließen. Doch die Quellen – und auch ihre Bedeutung – sind älter. Sie waren schon vor dem Christentum etwas Besonderes, wurden gehegt und gepflegt – nicht nur weil Wasser zu jeder Zeit Überleben bedeutete, sondern auch weil diese ausgesuchten besonderen Quellen als mögliche Übergänge in die Anderwelt gedeutet wurden.  Und dies war ein Aspekt, der mir gefiel.

Baumauge
Baumauge

Ich habe sie bereist, die Heiligen Quellen. Natürlich nicht alle, nur ein paar.
Manche waren verborgen in der Wildnis und schwer zu finden und geheimnisvoll; aAndere allzu ordentlich einem durchstrukturierten Katholizismus zugeordnet. Manche wieder, wie z.B. St. Brigid’s Well in Liscannor, hatten schon fast etwas Voodoo-Magisches an sich und verbanden sehr deutlich alten Zauber mit (nicht ganz) neuer Spiritualität.
Die Quellen sind jedoch nicht der einzige Griff ins mythische Sagenkörbchen, den ich mir erlaubt habe. Mitten im Buch taucht  eine veritable Gottheit auf. Sie hat schon bessere Zeiten gesehen, stammt aus grauer Vorzeit, ist aber immer noch da und um ihre Macht bemüht. Macha, eine mythische Pferdegöttin aus einem archaischen Sagenzyklus. Der Sage nach gehörte sie zu den Túatha Dé Danann, jenen Überwesen, die Irland in mythischer Vorzeit besiedelt hatten.
Die Göttin ist nicht freundlich. Macha war eine Kriegsgöttin, die zu Pferd oder im Streitwagen in den Kampf zog. Jemand, der nicht nur Krieg mochte, sondern brachte – ein Archetypus. Macha ist eine Ausformung der Dreiung der Morrigan, jener Göttin des Kampfes, Unheils, Streits, der Zerstörung und der Verführung. Aber auch Geisterkönigin und Göttin der Fruchtbarkeit. Der Sagenzyklus ist da nicht sehr spezifisch. Ein religiöser Kanon war er nicht, beschrieb seine Helden mal als Götter und seine Götter mal als Helden.

Mobhiswell
Mobhiswell

Macha taucht also in der Handlung auf und verfolgt ihre sehr eigenen Pläne. Einhörner kann sie nicht leiden, denn es sind Pferde mit Hörnern, die ihr nicht untertan sind. Sie mischt sich ein in das Geschehen, und wenn sich der personifizierte Krieg einmischt, wird es selten besser.
Was dann passiert – ich fürchte, dazu muss man „Die Quellen der Malicorn“ lesen.

Ju Honisch

„Die Quellen der Malicorn“ – Ju Honisch
Taschenbuch: 640 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (9. September 2013)

Weiterführende Links:

Verlagsseite (Heyne)

Webseite Ju Honisch

Blog Ju Honisch

Erstes Etappenziel der Blogtour (Darkstars Fantasy-News)

Interview mit Ju Honisch