Stefanie Bender im Gespräch


»Das Todesmal« - Stefanie Bender
»Das Todesmal« – Stefanie Bender

 

Mit »Der letzte Brief«, ihrer ersten bei O’Connell Press publizierten Kurzgeschichte (erschienen in »Exotische Welten«), rangierte Stefanie Bender bei vielen Lesern der eBook-Anthologie gleich ganz weit oben in der Publikumsgunst. Die Geschichte zweier notgelandeter Raumfahrer auf der Erde besticht vor allem durch ihren nicht vertrauenswürdigen Erzähler und der daraus resultierenden Ambivalenz, ob die erzählten Geschehnisse der Wahrheit entsprechen oder nicht. Mit Das Todesmal nimmt Stefanie Bender uns mit auf eine beklemmende Reise in das ausgehende Mittelalter, wo 1589 im beschaulichen Örtchen Crumbach mit einem Mal dämonische Dinge geschehen … zuvor jedoch stand sie uns noch Rede und Antwort.

 

Stefanie Bender
Stefanie Bender

WW: »Das Todesmal« ist genretechnisch gesehen ein bisschen Horror, ein bisschen Fantasy, aber vor allem hat es ein solides, historisches Fundament. Woher kommt dein Interesse an geschichtlichen Stoffen?

SB: Ein gewisses Interesse an Historik wurde mir auf jeden Fall mit in die Wiege gelegt, doch der richtige Auslöser war ein Geburtstagsgeschenk. Als Kind habe ich nur selten ein Buch in die Hand genommen, bis zu dem Tag, an dem ich von meinen Eltern einen Roman geschenkt bekam, der von König Artus und seiner Tafelrunde erzählte und dabei phantastische Elemente beinhaltete. Da war es also, mein Genre, der Start meiner Lesekarriere, der Start meiner Leidenschaft für Phantastik und auch für die Historik. Mein geschichtlicher Wissensdurst ist auch nicht eingegrenzt. Ich liebe Geschichten des Mittelalters genauso wie aus dem Viktorianischen Zeitalter. Ebenso spannend finde ich historische Ereignisse v.Chr.

WW: Kannst du uns etwas über die Handlung verraten?

SB: Die Geschichte entführt die Leser zurück in die Neuzeit, in das Jahr 1589 und in die kleine Gemeinde Crumbach im Odenwald. Über das sonst so idyllische Dorf hat sich ein unheilvoller Schatten gelegt. Kinderleichen werden gefunden, deren Augen von schwarzen Punkten durchzogen sind. Niemand weiß, was ihnen zugestoßen ist und wer oder was das Todesmal in den Kinderaugen hinterlassen hat. Eine Krankheit? Ein Mord? Hexerei? Und was hat es mit der verhüllten Gestalt auf sich, die Jonathan, dem Sohn des Dorfmeisters, am Ufer des Flusses begegnet ist? Mehr aber verrate ich nicht. Findet es selbst heraus.

WW: Wie kamst du darauf, die Handlung nach Crumbach an die Mümling zu verlegen?

SB: Mein Finger ist auf einer Wanderkarte an Mümling-Grumbach kleben geblieben. Nein, im Ernst, es war eher ein Zufall. Da war diese Idee zu einer neuen Geschichte und ich war davon überzeugt: Diesmal soll es wieder regional werden. Ich dachte nicht lange darüber nach und wählte den Odenwald, da er nahe an meinem Heimatort liegt und tolle Flecken für spannende Geschichten aufweist. Doch der Ort des Geschehens musste bestimmte Kriterien erfüllen. Unter anderem benötigte ich einen Fluss, der nicht groß, aber stark genug war, einem Menschen gefährlich zu werden. Ebenso sollte er zum gemütlichen Niederlassen einladen. Auf einer Karte wurde ich dann auf den fast 50 km langen Fluss Mümling aufmerksam. An ihm liegen Michelstadt, Bad König, Breuberg und einige weitere hübsche Orte, doch meine Wahl fiel auf Mümling-Grumbach. Eigentlich hatte ich im Sinn „Die Perle des Odenwalds“ (Lindenfels) als Handlungsort zu nehmen, da ich das Städtchen ein wenig kenne und dessen Burg ein tolles Setting dargestellt hätte. Durch Lindenfels fließt aber leider kein Fluss und jeder, der „Das Todesmal“ gelesen hat, weiß, wie wichtig er für die Geschichte ist.

WW: Ist Historical Fantasy eine neue Richtung in der Fantasy, gibt es hier einen Trend?

SB: So neu ist Historical Fantasy gar nicht. Ein Subgenre, dass bisher keine große Aufmerksamkeit erhalten hat (ähnlich wie Steampunk). Historische Romane liegen seit einiger Zeit auch sehr im Trend und können sich, was die Beliebtheit angeht, mit der Fantasy messen. In mittelalterlichen Zeiten glaubten die Menschen an Hexen, Dämonen und waren sehr schnell dem Aberglauben erlegen. Ist es nicht ein Muss, daraus phantastische Geschichten zu spinnen? Auch gibt es so viele historische Ereignisse die geradezu danach schreien neu erfunden zu werden: Alternative Vergangenheiten schaffen oder Altes mit neuen, phantastischen Elementen zu garnieren, ist Leidenschaft. Ob es einen Trend gibt? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Trends sind Außenseiter, die irgendwann überraschend oder auch vorhersehbar in der Mitte unserer Gesellschaft auftauchen. Ob sie Bestand haben, kommt darauf an, wie viel kommuniziert wird. In unserer Welt reicht ein neuer Kinofilm, um Trends zu zerstören und zugleich neue zu erschaffen. Da ich selbst kaum auf Trends achte, kann ich diese Frage nur schwer beantworten.

WW: Wie sehen deine zukünftigen Projekte aus?

SB: Ich arbeite momentan an der Fortsetzung zu „Das Todesmal“. Das Manuskript ist in den letzten Atemzügen und wartet auf die erste Überarbeitung. Auch ein neues Großprojekt ist in Planung bzw. Bearbeitung. Die eigentlich als Historical Fantasy geplante Geschichte mit dem Arbeitstitel „Die Obsidiankinder“ gehört jetzt der epischen Fantasy an, die in den Dingen Zivilisation und Gesellschaft dem deutschen Mittelalter gleicht. Ich erzähle die abenteuerliche Geschichte einer jungen Frau, deren ewiges Leben an einen einzigen schwarzen Stein gebunden ist. Die „Unsterbliche“ zieht mit ihren Verbündeten in einen Kampf gegen Dämonen, habgierige Fürsten und des Glaubens. Und dabei macht sie nicht einmal Halt vor der unberechenbaren Gefahr des schwarzen Ozeans.

WW: Was macht Stefanie Bender, wenn sie nicht schreibt?

SB: Vor einigen Monaten hätte ich eine ganze Din A 4 Seite mit meiner Antwort füllen können. Unter anderem mit: Lesen, ins Kino gehen, Konzerte besuchen, auf Fototour gehen, doch seit 31.01.2014 ist ein kleiner Mensch in mein Leben getreten, der alles um mich herum so unwichtig erscheinen lässt. Ich bin Mama geworden und mein Sohn steht an erster Stelle. Doch gibt es natürlich auch Zeiten, in denen er nicht meine volle Aufmerksamkeit benötigt, und dann, ja dann schreibe ich.

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