Julia Mayer im Gespräch


Auf ihrer Homepage (http://www.oldsouls.de/) schreibt Julia Mayer: »Alle meine Bücher sind von mir selbst veröffentlicht worden« – ganz so, als würde sie einem Verlag gar nicht erst in Erwägung ziehen. Ganz kompromisslose Indie-Publisherin so scheint es, wenngleich keine unbegabte! Weder Homepage noch Werke wirken in irgendeiner Weise dilettantisch, ganz im Gegenteil:  professionell sind Bücher und Website allemal, der Schreibstil, wenn man bei Amazon einen kurzen Blick ins Buch wirft, fesselnd und emotional, so dass man, wie Stephen King sagen würde, bereits nach wenigen Zeilen durch das berühmte Loch in der Schreibmaschine fällt und sich mitten in einer fesselnden Geschichte wiederfindet.

Und davon gibt es bei Julia Mayer einige. Da wäre zum Beispiel »Rehruf«. In diesem gerade erschienen Roman wird von Inga berichtet, einem medizinisch hoffnungslosen Fall. Sie ist geschlagen mit subakuter sklerosierender Panenzephalitis, einer seltenen und chronischen Masernkrankheit, die unweigerlich zum Tode führt. Doch Inga findet einen Weg dem Sensenmann ein Schnippchen zu schlagen, allerdings zu einem hohen Preis: Fern von ihrer Familie, verwandelt sie sich beim ersten Morgenlicht in ein Reh und kann erst bei Anbruch der Dunkelheit in ihren Menschenkörper zurückkehren. Sie ist zwar dem Tod entronnen, aber ihre neue Existenz birgt Gefahren und Verlockungen, auf die Inga nicht vorbereitet ist.

Julia Mayer
Julia Mayer

WW: Während »Rehruf« sich gefühlvoll, beinahe märchenhaft mit dem Thema Familie auseinandersetzt und dabei schwer verdauliche Themen wie Tod, Verlust und Trauer thematisiert, ist die auf acht Bände ausgelegte »Old Souls«-Serie eine reinrassige Dystopie. Eine große Bandbreite an Themen so scheint, obwohl du das phantastische Element dabei nicht verlässt. Was fasziniert dich so an diesem Genre?

JM: Mir persönlich ist die Vielseitigkeit in meiner Genre-Wahl sehr wichtig – ich schreibe ungern permanent das Gleiche. Aber es stimmt, das Fantasy-Element ist so gut wie immer vorhanden. Ich bin selbst ein begeisterter Fantasy-Leser und langweile mich schnell, wenn an der nächsten Ecke nicht etwas Unerwartetes, etwas ganz und gar Spektakuläres lauert. Das Genre lädt zum Träumen ein, zum Loslassen, zum Ausdehnen der Realität, die ab und an fade werden kann. Deswegen kann ich beim Schreiben wie auch beim Lesen nicht die Finger davon lassen.

WW: Auf einen Verlag hast du offensichtlich verzichtet, bist ganz Indie-Publisherin. Ist das Schreiben und Publizieren im freien Fall?

JM: Sicherlich birgt das Indie-Publishing gewisse Risiken, aber bis jetzt habe ich größtenteils gute Erfahrungen gemacht. Ich habe bisher viel selbstgemacht oder mit der Hilfe von Bekannten wuppen können. Zum Beispiel habe ich die letzten beiden Cover (»Rehruf«, »So weich das Herz« und auch mein in Kürze erscheinender Roman »Frostbiss«) selbst gestaltet. Für den Buchsatz bin ich auch ganz allein zuständig, lediglich das Lektorat lässt sich allein natürlich nicht sinnvoll erarbeiten. Dafür habe ich momentan noch meine Betaleser – aber ich plane, in der Zukunft zusätzlich in ein professionelles Lektorat zu investieren. Sicherlich ist das alles nicht leicht, aber es hat große Vorteile, auf sich selbst gestellt zu sein. Letzten Endes habe ich das Recht, Entscheidungen zu treffen, und das ist mir persönlich lieber.

WW: Jetzt nach einigen veröffentlichten Werken, wie siehst du das Handwerk des Schreibens? Ist es so wie man es sich als Leser vorstellt?

JM: Ja und nein. Ja, ich arbeite in meinen Pyjamas, nein, ich lebe nicht in den Tag hinein. Ich weiß nicht so genau, wie sich Leser den Alltag des Schriftstellers vorstellen. Vermutlich einfacher als er tatsächlich ist und ein wenig glamouröser. In Wahrheit sind wir Schriftsteller Arbeitstiere, inklusive Rückenprobleme und regelmäßigen Ausbrüchen der Verzweiflung. Nichts daran ist edel. Es ist Arbeit – und sie macht Spaß, sehr viel sogar – aber es ist trotzdem Arbeit.

WW: Mit der Serie »Old Souls« legst du dich fest: acht Bände sollen es insgesamt werden, erschienen sind bislang nur zwei. Keine Angst, dass dir vielleicht unterwegs die Puste ausgeht, oder Dystopien bei den Lesern nicht mehr gefragt sind?

JM: Angst habe ich nicht unbedingt. Natürlich mache ich mir Gedanken, aber es ist alles gut ausgeplant und ich schreibe momentan am vierten Band. Sicherlich ist es eine Serie, die nicht so schnell beendet sein wird, aber ich bin eigentlich nicht der Typ, dem die Puste ausgeht. Ich denke auch nicht, dass die Leser der ersten Bände mit dem Lesen aufhören, falls Dystopien bald nicht mehr gefragt sein sollten. Die Zeit kommt bestimmt wieder und die Bücher sind auch bis dahin verfügbar. Ich bin also guter Dinge!

WW: Zum Abschluss ein Ausblick: was dürfen die Leser in Zukunft von dir erwarten? Woran arbeitest du?

JM: In einer Woche veröffentliche ich meinen neuesten Roman, »Frostbiss«, eine reine Liebesgeschichte zwischen zwei Mädchen. Danach möchte ich den dritten Old Souls Band (»Die Splitter«) veröffentlichen. Zudem arbeite ich auch noch an einer neuen Buchreihe, die von Magiern in einer Stadt unter Dresden wie wir es kennen handelt. Ich habe eine Menge für 2015 geplant.

Julia Mayer, Rehruf
Julia Mayer, Rehruf

Zur Person:

Julia Mayer wurde 1993 in Malchin geboren, lebt mit ihrer Hündin Leia an der Ostsee und schreibt seit ihrem vierzehnten Lebensjahr Romane. Nachdem sie sich mehrere Jahre lang erfolglos und frustriert durch den Alltags-Dschungel gekämpft hat, wagte sie im Dezember 2012 den Sprung ins Indie-Publishing. Seitdem veröffentlicht sie regelmäßig und tobt sich dabei gern in den unterschiedlichsten Genres aus. Je vielseitiger, desto besser.
Sie bezeichnet sich selbst gern als Frau mit Hund – immer auf der Suche nach dem richtigen Wort. Mehr über die Autorin und ihre Werke gibt es hier zu finden: http://www.oldsouls.de