Jörg Karweick im Gespräch


Jörg Karweick – Rönum
Jörg Karweick – Rönum

Jörg Karweick hat mit seinem ersten Roman »Rönum« (wie ich finde) einen richtigen Hammer hingelegt. Und glücklicherweise hat er ihn O’Connell Press zur Veröffentlichung überlassen. Na sowas! Mich erinnert der Roman jedenfalls, der in Rönkoog an der Nordseeküste spielt, irgendwie an Geschichten des jüngeren Stephen King (als dieser noch richtig Surreales zu Papier brachte). Allerdings verzichtet Karweick auf den offensichtlichen Horror den der King so gern praktiziert und konzentriert sich stattdessen auf Sprache und eine feine Ausarbeitung der Figuren.

WW: Jörg, Hand auf’s Herz, bist du ein Stephen King Fan?

JK:  Natürlich ziehe ich vor dem Großmeister des Horrors den Hut. Andererseits habe ich mich mit dem Lesen von Horrorromanen immer schwer getan. Eine Ausnahme ist H.P. Lovecraft, seine Sprache finde ich einfach unwiderstehlich. Vielleicht bin ich für modernen Horror zu zart besaitet, jedenfalls wurden meine Grenzen für das Schaurige schon als Kind gezogen. Damals hatte ich eine ziemlich düstere Hörspielversion von »Moby Dick« und natürlich »Krabat«. Viel mehr geht bis heute nicht.

Autor Jörg Karweick
Autor Jörg Karweick

WW: Was mir bei Rönum als Vergleich eigentlich noch passender dünkt, wäre das TWIN PEAKS der Nordsee. Kannst du mit solchen Vergleichen überhaupt etwas anfangen, oder ist das alles nur Humbug?  Hatte die Serie von David Lynch bei der Konstruktion deines Romans in deinem Hinterkopf Geburtshelfer gespielt?

JK: Wenn man schreibt, stellt man sich ja immer die Frage danach, woher das eigentlich kommt, was man zu Papier bringt, was einen beeinflusst hat. Als die »Twin Peaks« anfangs der Neunziger liefen, hatte ich allerdings eine fernsehfreie Phase. Die gingen also an mir vorbei. Aber die Kinofilme von David Lynch haben mich sehr fasziniert, wie »Mulholland Drive«. Das ist ein gutes Beispiel für eine Erzählform, bei der man einfach nicht mehr weiß, was wahr ist, und was nicht.

WW: Was hat dich dazu gebracht, ausgerechnet ein Dorf an der Nordsee zum Haupthandlungsort deines Romans zu machen?

JK: Die See ist mir von klein auf vertraut, wir haben unzählige Urlaube dort verbracht. Und sie führt ein Eigenleben, das sich den Menschen entzieht. Man braucht sich ja nur einmal an den Strand zu stellen und hinauszuschauen: der Wellengang, die Farben, der Wind, der Geruch, das alles hat eine Kraft, die größer ist als unsere Alltagserfahrungen. Und da ich einen Ort suchte, an dem die normalen Gesetzmäßigkeiten aufgehoben sind, bot es sich an, ihn an die Nordsee zu legen. Außerdem glaube ich, dass Menschen, die in extremen Landschaften leben, von außen betrachtet oft merkwürdig wirken, weil sie einfach schwerer zu begreifen sind. Das passte mir gut ins Szenario.

WW: Rönum ist vor allem die Geschichte eines Heimkehrers, der feststellt, dass er seiner Vergangenheit nicht entkommen kann.  Gibt es Orte, die böse sind? Und können wir ihnen auf Dauer entfliehen?

JK: Ich glaube, dass es Orte gibt, an denen Energien sich anders auswirken, sozusagen auf einer anderen Frequenz verlaufen. In grauer Vorzeit hatten die Menschen dafür noch ein Gespür und haben solchen Orten Götter oder Geister zugeordnet. Das hat Respekt eingeflößt, die Menschen waren gewarnt wie heute bei Verkehrsschildern, „Vorsicht Rutschgefahr“ oder so ähnlich.
Aber solche Orte sind nicht zwangsläufig böse. Sie spiegeln nur verstärkt unser Innenleben wider. Und da wird es oft böse. In „Rönum“ geht es um so einen Ort. Die Menschen dort sind innerlich zerrissen wie woanders auch, aber in Rönum hat das nun einmal böse Konsequenzen.

WW: Wenn du Buchhändler wärst, wo würdest du Rönum einordnen: Horror, Thriller oder Krimi? Wie wichtig sind Genregrenzen heute noch?

JK: Persönlich finde ich Genregrenzen nicht wichtig. Eine Erzählung zieht mich in ihren Bann oder nicht, und ob ich dann einen Horrorroman oder einen Krimi gelesen habe, finde ich zweitrangig. Aber die Vermarktung verläuft anhand von Einordnung in Genres. Müsste ich mich unter den Vorgaben entscheiden, würde ich Rönum unter Thriller einordnen. Besser fände ich allerdings Phantastik.

WW: Woran arbeitet Jörg Karweick aktuell?

JK: An einem Roman über eine Krimiautorin, die in die Handlung ihres eigenen Plots verstrickt wird. Wo das einzuordnen ist, überlasse ich dann den Buchhändlern…

Leseprobe aus Rönum

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Rönum

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Rönum

2 thoughts on “Jörg Karweick im Gespräch”

  1. Mir gefaellt das book cover, und mir gefaellt die Leseprobe, denn sie macht neugierig. Zum Schreibstil will ich mich noch nicht aeussern, weil die Leseprobe dafuer zu kurz ist. Ich wuensche dem Joerg Karweick auf jeden Fall viel Glueck mit dem Buch.

    Das Interview hat mir ebenfalls gut gefallen.

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